Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriß der bildenden Künste
Person:
Riegel, E. Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3450548
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3454115
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daß es sich für kleine Gegenstände eben so wohl eignet, als für solche 
in größerem Maßstabe, denn man kann leicht durch Zusatnn1enfiigeu 
mehrerer Stückchen ein großes erhalten. Das umgekehrte Verfahren, die 
Linien in den Stock zu vertiefen, ist unkiinstlerisch; es liefert schwarze 
Abdriicke mit weißer Zeichnung oder wie sonst die Farben gewählt sind, 
und eignet sich fast nur für mathematische Zeichnungen und dergl. Läßt 
man die Fläche innerhalb der Contouren stehen, so wird das Bild sil: 
houettenartig, und kann also auch auf Kunstwerth nicht Anspruch erheben. 
Bei sorgfältiger Behandlung hält ein Holzschnitt huuderttausende von 
Abdrücken aus, dochsliegt in dem Verfahren der Anfertigung von Abs 
klatschen is. g. Clich67sJ die Möglichkeit, eine ganz unbegrenzte Zahl von 
Drucken zu erhalten. 
B;FHsH;n;Hvd Seinem Wesen nach muß der Holzschnitt eine n1arkige Darstellung 
 beanspruchen, die in der saserigen Structur des z;Jolzes beruht, und 
von diesem eine gewisse Derbheit und Kraft erlangt. Er ist auf Idee 
nnd Zeichnung in viel ausschließlicherem Maße hingewiesen, als der Kupfer; 
stich, der im Stande ist, Ton und Farbe in seinem weichen, geschmeidigen 
Stoff anklingen zu lassen; auch verfährt der Holzschnitt im Gegensatz 
zum Kupferstich gleichsam negativ, d. h. er arbeitet, nicht die Zeichnung 
ihren Linien nach wirklich, sondern er nimmt zwischen den Linien heraus 
und berührt diese gar nicht, so daß die Jnnigkeit des künstlerischer: Zu: 
sammenhanges zwischen der arbeitenden Hand nnd dem, was man im 
Abdruck sieht, eine geringere ist. Zudem sind diese Linien nicht so fest, 
sicher und zart als im Kupfer, so daß der Holzschnitt an kiinstlerischer 
Ausdrucksfiihigkeit dem Kupferstich entschieden nachsteht. Allein dafür bei 
 sitzt er andere Vorzüge, die es leicht vergessen lassen, wenn er darauf 
verzichten muß, malerischen Schmelz und Farbenreize wiederzugeben; Die 
natürliche Einfachheit und Schlichtheit, welche Kern und Wahrheit fordern, 
nähern den Holzschnitt nämlich auf das Höchste dem allgemeinen Ver: 
stäudniß, und gestatten künstlerische Ideen auf eine gemeinfaßliche Weise 
auszudrücken, während sie doch zugleich diesen künstlerischen Ideen keinerlei 
 Zwang AUkhUU, sondern sie ganz und voll empfunden in die Form über: 
 gehen lassen. Denn die Leichtigkeit des Drucks nnd die unmittelbare Verbini 
dung mit dem gedruckten Worte haben den Holzschnitt in unseren Tagen 
zu einer kulturgeschichtlichen Macht erhoben, und gerade diesen seinen 
Eigenschaften ist es mit zu danken, daß ein besserer Geschmack und ein 
rcinerer Kunstsinn in den Massen des Volkes sich auszubreiten beginnt. Da 
liegt der ganze Schwerpunkt: der Kupserstich ist die vollkom1nenste 
der nachbildenden Künste, der Holzschnitt die volksthüm2 
lichstel Ehedem mußte der Mann aus dem Volke mit jammervollcn
        

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