Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriß der bildenden Künste
Person:
Riegel, E. Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3450548
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3453630
Dreizehnter 
Yl15rIn1itt. 
Die 
Kunst 
und 
ihre 
Pflege. 
Aklgem. Be: 
dingungen. 
Die Kunst verlangt ihr Vaterland, ihr Vaterland, blühend im 
Glanze des Wohlstandes und der Freiheit. In einem unfreien, armen 
Lande kann es keine Kunst geben. Das Streben der Masse muß über 
des Lebens Nothdurft und Bediirfniß hinaus gehen, der Einzelne muß 
sein Haupt im vollen Gefühle seiner Menschheit erheben können, wenn 
aus der Masse einige Bevorzugte heraustreten sollen, um ihrem Volke 
seine reinste Blume, die Werke der Kunst, zu reichen. Gesellschaftliche, 
kirchliche und staatliche Verhältnisse sind deshalb auf die Kunst von dem 
allerweitgehendsten Einslnfse: nach den Perserkriegen blühte mit der griechischen 
Freiheit die Kunst empor, in Spanien ging eine aufblühende Kunst durch 
die Tyraunei der Priester und Könige zu Grunde, in Deutschland brachen 
die Folgen der Reformation die Kunftblüthe ab, in den Niederlanden 
schuf der Kampf und Sieg gegen Spanien ein neues hohes Kunstleben, 
und endlich die Revolution und die Freiheitskriege seit 1789 und 1813 haben 
in Frankreich und Deutschland eine neue Kunst entwickelt, und auch in 
Jtalien und andern Ländern beginnt es sich neu zu regen. Es ist eine 
stete und innige Wechselwirkung im guten und übeln Sinne zwischen 
deU gWßEU EkEkgUkfsM der Geschichte und den Ausgangs: oder Wende: 
punkten der Kunstentwickelungen; doch wollen wir hier nicht unter: 
suchen, welcher Art diese Beziehung ist, sondern wollen einfach die unzweifel: 
hafte Thatsache als solche annehmen. 
Die Kulturvölker nun, die sich wenigstens einiger Freiheit erfreuen 
und deren Mittel über die nothwendigsten Erfordernisse des Daseins hin: 
ausreichen, sie werden doch gewiß eine eigene Kunstiibung wünschen, sie werden 
sich bemühen, derselben zu Hülfe zu kommen und alles Mögliche thun, 
um sich im Besitze einer Kunstbliithe zu erhalten. Allerdings, der allge: 
meine Zustand des Volkes ist die Grundlage der Kunst, doch
        

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