Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriß der bildenden Künste
Person:
Riegel, E. Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3450548
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3453611
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wird jeder Einsichtige erkennen, aber trotzdem begegnet man der Meinung 
sehr häufig, daß der Kritiker auch gleich sagen miisse, wie das von ihm 
Getadelte gemacht werden solle, damit es gut werde. Das ist nun 
schlechterdings seine Sache nicht, denn wenn er produeiren wollte oder 
könnte, wäre er nicht Kritiker, sondern Künstler. Ja, jeder Schritt, den 
er über die Grenzen der Kritik hinaus thut, um etwa Verbesserungen 
anzugeben, macht ihm den Boden unter den Füßen seiner Kritik unsicher, 
da er sie auf ein Feld iibertreten läßt, wo sie gar nicht hingehört. Hat 
der Kritiker eine Meinung über Verbesserungen, so muß er sich wohl 
hüten, sie in Form einer Kritik anzubringen, er muß und darf sie nur 
als rein persönliche Meinung aussprechen, nnd allerdings ist es zuweilen 
gut, solche rein persönliche Meinung einer sachlichen Kritik anzuhängen; 
aber indem dies geschieht, hört auch an der Stelle, wo die Meinung 
anfängt, die Kritik auf, und ein glücklicher Erfolg in einem Falle berechtigt 
oder verpflichtet niemals zur regelmäßigen Aenßerung derselben. Der 
Kritiker ist ja auch Mensch, und wenn alle das Recht zu haben glauben, 
sich zu äußern: ,,ach daß dies nicht so ist, oder jenes so2 E warum er nirht 
auchP Aber was er als Mensch so nebenher wie seine eigene Meinung, 
womöglich etwas schüchtern, vorbringt, das verlange man nie von ihm als 
Kritiker, nie von seinem Berufe, denn damit untergräbt man jedes sachliche, 
wohlbegriindete Urtheil. Ja, wollte ein Kritiker mit dem Scheine austreten, 
als sei er berufen, Verbesserungen zu deeretiren, so untersage man es ihm doch 
ernstlich, daß er nicht dem Künstler in das Handwerk psusche. Die Ver: 
wirrung ist jedoch hier immer noch groß, und oft kann man selbst von 
Künstlern Aeußerungen hören, wie etwa: ,,Ach, was versteht der davon, 
der ist ja nicht Maler, nicht Architekt, nicht BildhauerlU Die Künstler 
sind nun aber grade durchschnittlich am allerwenigsten Kritiker, da die 
Form aber nicht das Wort ihr Ausdrucksmittel ist, da ihnen meist die 
wissenschaftliche Methode fehlt, und da sie häufig mehr darauf sehen, wie 
eine Arbeit gemacht, als wie das Werk gedacht ist. 
Idee: Was ist aber endlich die Summe und das Ziel aller KritikP 
Die Kritik gehe mit Schärfe bis ins Einzelnste, sie verliere nie das Ganze 
aus dem Auge, sie sei unparteiisih und gründlich, klar nnd möglichst 
nnwiderleglich, sie beuge sich vor der Heiligkeit der Kunst und sei deshalb 
jedem ernsten Streben wohlwollend, jeder Stiiinperei absprechend  aber 
welcher Nutzen erwächst daraus, da doch das kritisirte Werk bleibt wie es 
istP Förderung der Kunst bei den Künstlern, des Verständ: 
nisses bei dem Publikum. Eine gute überzengende Kritik bringt an 
einem anschaulichen Beispiele eine Reihe von allgemeinen Gesetzen zur 
Anwendung, deren trockene und abstrakte Auseinandersetzung vielen Kunst:
        

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