Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriß der bildenden Künste
Person:
Riegel, E. Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3450548
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3453017
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höher organisirteu Thiere sind es deshalb fast nur, die fiir die künstlerische 
Darstellung sich eignen, da sie uns individnelle Verschiedenheiten erkennen 
lassen, da wir sie als einzelne lieben oder hassen können, da wir in 
ihnen die besonderen Exemplare einer nnd derselben Gattung unterscheiden. 
Die Thiere, die mit dem Menschen leben, die Hansthiere, liebt nun vor: 
nehtnlich der Künstler, und nächst ihnen die Thiere der Jagd in allen 
A:coi,iki;siinsss, Zonen. Jene bilden namentlich die s. g. Thierstiicke,  diese die Jagd: 
WWMi stiicke. Die Maler wenden sich meist der einen oder andern Art der 
Thiermalerei zu, ja sie lieben es häufig, sieh auf ein einziges Thier zu 
beschränken, und so finden wir denn ausschließliche Pferdemuler oder Maler 
von Rindern, von Schafen, von Hühnern, von Hunden und so fort, u11d 
darin besteht gerade das Poetische ihrer Kunst, daß sie dem einzelnen 
Thiere seine Besonderheiten ablanscheu, und sie mit den Gewohnheiten des 
Geschlechts in Einklang bringen. Wenn man dem Blöken einer Schaf: 
heerde einmal einige Aufmerksamkeit schenken will, so wird man bemerken, 
daß jedes der Schafe mit einer andern Stimme blökt; ähnlich wahrt der 
Thiermaler selbst in einer Heerde die charakteristische Mannigfaltigkeit der 
einzelnen Exen1plare. Je höher das Thier organisirt ist, umso weiter 
kann er hierbei gehen, und da das Pferd das in allen seinen Theilen 
gleichmäßig am höchsten organisirte Thier ist Lan Verstand steht ihm nur 
der Elephant voran, an Schönheit tritt es mit dem Löwen in StreitJ, so 
behauptet auch das Pferdestück den ersten Rang in der Thiermalcrei.  
Die Jagdstiicke wählen hauptsächlich Hirsche nnd Rehe, doch erstrecken sie 
sich auch auf Eber, Füchse, Bären und sogar auf Raubthiere, welche 
letztere zuweilen an Stelle der menschlichen Jäger als Verfolger 
anderer Thiere eingeführt werden. Diese Thiere einzeln oder zu mehreren 
rnhend darzustellen, kommt sehr selten vor, doch kann man dann ein 
solches Thierstück natürlich nicht ein Jagdstiick nennen. 
Gcukshiidsk Treten die Thiere in Verbindung und in gemeinsamer Handlung mit 
W TWM dem Menschen aus, so entstehen wiederum Genrebilder, doch ist wohl zu 
beachten, daß auf diesen der Mensch weder als Wärter noch als Verfolger 
der Thiere, diesen weder untergeordnet noch feindlich, austreten kann, 
sondern daß Gemeinsamkeit stattfinden muß. Kinder mit Hunden, Katzen 
oder Schafen, Bärentreiber mit ihrer bunten Gesellschaft und dergl. sind 
hier passende Beispiele. Aehnlich tritt auch das Thier in der Jdylle auf 
Csiehe weiter untenJ.  
,Tsik Tc,ikks Endlich kann das Thier in der Fabel, die ihm menschliches Denken 
Mc nnd Handeln unterlegt, auch bildlich dargestellt werden, und der Maler 
kann hier sowohl eine vorhandene Fabel illustriren, als auch selbst erfindend 
schaffen. Diese ganze gemalte Thierfabel muß komisch oder humoristisch
        

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