Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriß der bildenden Künste
Person:
Riegel, E. Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3450548
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3452625
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aus den Anschauungen fließen, die die jedesmalige Religion von ihrer 
Gottheit hegt. 
Denkt sie sich oder giebt sie wenigstens vor, daß der Gott leibhaftig .DicTkmpeI 
in seinem Hause wohne, so wird sie mit besonderer Feierlichkeit VorhalIe11,ibI:xp3WrT 
Tempelräun1e und endlich ein Allerheiligstes anordnen, wie wir solches in 
den ägyptischen Tempeln sehen. Bei den Griechen war dies schon bei 
weitem anders; ihnen war die Gottheit unsichtbar, und das geweihte Bild, 
in welchem sie den Gott keineswegs selbst, und wirklich sahen, hatte für 
sie nur eine Bedeutung, die mit derjenigen der heiligen Bilder in der 
katholischen Kirche sehr nahe verwandt war. Vor dem Bilde der Gottheit 
wurde dieser selbst ein Opfer dargebracht, und je nach dem Ceremouiell 
m1d der Bedeutung diesesOpfers waren auch die Tempel, in oder vor 
welchen die Handlung geschah, verschieden. Immer aber war der Bezug 
zur Oeffentlichkeit, zum Volke angedeutet und deshalb öffnen sich die 
Tempel ringsum oder an den Csingaugsseiten in offenen Säulenhal1en. 
Das hellenische Tempelhaus war ein Außenbau, und in seinem richtigen 
Verständniß durch die Wissenschaft wurden zugleich höchst wichtige Auf: 
schliisse über das religiöse und politische Leben des Volkes erzielt. Der 
griechischen Welt war der Tempel Mittelpunkt ihres Lebens, und so ge: 
hören die zahlreichsten und edelsten griechischen Baudenkmäler dieser 
Gattung an. Ja diejenigen, welche nächst diesen die bedeutendsten sind, 
die Theater. gehören zum Theil in das religiöse Gebiet, da in ihrer 
Mitte ein Altar stand, der bestimmte Zwecke des Kultus hatte. 
Bei den Römern, welche die wesentlichsten Theile der Religion und 
Kunst von den Griechen entlehnten, war das Verhältniß der Tempel auch 
ein ähnliches, doch begiinstigten sie schon bei der zunehmenden Verflachung 
des religiösen Gefühls und dem Wachsthum der Weltherrschaft mehr Bau: 
werke für weltliche Zwecke.  
Das christliche Mittelalter vertieste die religiöse Idee zu voller aDieF,kisiri: 
Jnuerlichkeit, und so schloß auch das Kirchengebäude sich innerlich ab. Es W when. 
entfaltete, vornehmlich in den früheren Jahrhunderten reinerer Lehre, 
seinen kiinstlerischen Reichthuni ganz nach Julien und legte auf die Außen: 
fette wenig Werth. Es ward so ein Junenbau.8J Als ein Haus 
Gottes, als besonders heilig und durch iibernatiirliche Ceremonie geweiht, 
wurde es stets als etwas vom gewöhnlichen Leben streng Gesondertes 
ej Ueber den Charakter des griechischen Tempels als eines Außenbaues 
und der mittelalterlichen Kirche als eines Jnnenbaues, vergl. die Abhandlung 
des Verf. ,,der Dom zu Speyer und einige kunstgeschichtlic;e Beziehungen dess 
selbenH in Cotta7s deutscher Vierteljahrschrift, Nr. 102. 
107k
        

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