Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriß der bildenden Künste
Person:
Riegel, E. Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3450548
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3452554
140 
Die 
und 
dcut1 
Glasbilder zum Anhängen sieht man übrigens häufig. Die besten Glas: 
malereianstalten befinden sich zu München und Berlin. 
 Wir haben hiermit die Uebersicht vollendet über die Körper und 
im. Stoffe, welche zur Darstellung von Kunstwerken sieh eignen, nnd über 
die Art und Weise, in welcher die Kunst von ihnen Gebrauch macht. Wir 
hatten immer den vollen Zusammenklang von Jnhalt und Form, von 
Geistigem und Stosflichetn, als dem Wesen des Knnst1verkes unerläßlich, 
besonders betont nnd nun versucht, die Körper zu bezeichnen, welche vor: 
zugsweise sich darbieten, eine solche Form anzunehmen, daß in ihnen ein 
Gedanke kiinstlerisch zur Erscheinung kommen kann. Wir haben im Ein: 
zelnen gesehen, daß diese Körper durch ihren Stoff mannigfache Bedingungen 
vorschreiben, und daß sie vom Künstler Kenntniß und Beachtung ihrer 
physikalischen und chemischen Eigenschaften fordern. Der Grad, in welchem 
ein Künstler durch Talent und Uebung Herrschaft über den Stoff als 
Stoff erlangt, ist unendlich verschieden, und wir werden hieraus ableiten 
müssen, daß es sehr verschiedene Abstufungen in der Bewiiltignng nnd 
Bearbeitung des Stoffes giebt. Die Art und Weise, wie der einzelne 
Künstler hierbei verfährt, und was er endlich in dieser Hinsicht als Ergebuiß 
seiner Thätigkeit leistet, nennen wir seine Technik. Die Technik ist ein 
unerläßlicher Theil der Kunst, wie das ans dem Worte selbst sich ergiebt, 
das im griechischen kazvix6; heißt und ,,zur Kunst gehörigH bedeutet. 
Wir haben ein gutes deutsihes Wort hierfür nicht nnd müssen uns mit 
den Bezeichnungen ,,technisch  TechnikH u. s. w. begnügen; in neuerer 
Zeit hat man jedoch das Wort ,,MacheU vielfach angewendet und darunter 
besonders eine Technik verstanden, die etwas in das Kühne geht. 
Die Aneignung der Technik ist für den Künstler Grundbedingnng 
seiner selbstständigen Thätigkeit, und ohne vollkommene Technik hat es nie 
einen großen Künstler gegeben. Andererseits finden sich Talente, die an 
der Schwierigkeit der Technik gescheitert sind, nnd Künstler, die nicht über 
das Aeußerliche, die Technik, hinausgekommen sind. In der Architektur 
können wir die großen gothischen Dorne, als besonders geeignete Beispiele 
einer im höchsten Grade ausgebildeten Technik ansehen; ähnlich wird man 
in Michelangelo7s Bildnereien die größte Herrschaft über den harten nnd 
schweren Stoff des Steines anerkennen müssen; eine Entscheidung über die 
vollkommenste Technik in der Malerei zu treffen, wird dagegen sehr schwer 
oder unmöglich sein, da diese Kunst, wie wir sahen, einen ungleich mehr 
subjectiven Boden hat, als die andern, und bei gleich großer technischer 
Vollendung doch besondern Eigenthümlichkeiten Spielraum läßt. In Bezug 
auf das Helldunkel haben wir Correggio oder Rembrandt als Meister 
genannt, in Bezug auf die Zeichnung müssen wir Michelangelo und
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.