Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriß der bildenden Künste
Person:
Riegel, E. Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3450548
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3452498
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DiesJJec.tmi Im Mittelalter erkennen wir zweierlei Arten der Wandmalerei, die 
Ti7TFFTHI2.Wd auch schon von den Alten gekannt und neben der ihnen eigenthiimlichen 
Enkanstik angewendet wurden, nämlich die, welche auf der trockenen, und 
die, welche auf der nassen Wandfläche arbeitete. Jene, die Malerei Eil 
secco d. h. ,,auf trockenerH Mauer genannt, trug einfache Wasser: oder 
Leimfarben auf die trockene Mauer und brachte es allerdings nicht zu 
hoher Vollkommenheit; wenn man im älteren kuustgeschichtlichen Sinne 
von Wand1nalereien spricht, so versteht man in der Regel diese Weise 
darunter. Das zweite Verfahren ist die Malerei a1 fresse, d. h. ,,auf 
frifcherU Mauer. Ihr Wesen beruht in dem Umstande, daß in Wasser 
gelöste Farbestoffe in den eben aufgetragenen frischen Mörtel eindringen, 
und daß, da sie nur 1nineralischen Ursprungs sein dürfen, sie sich mit den 
Bestandtheilen desselben, Kalk und Sand, zu einem neuen Körper chemisch 
verbinden, welcher der Oberfläche einen festen krystallinischen, im Wasser 
schwer löslichen Ueberzug giebt. Es folgt hieraus, daß nur stiiokweife 
gearbeitet werden kann, daß der Maler nur so lange Farben anftragen 
kann, als der Mörtel frisch ist, daß also immer nur eine kleine Fläche 
bepuht werden kann; ferner ist aber auch allgemeinster Erfahrung gemäß 
zu beacJten, daß die Farben nach dem Troekenen matter, stumpfer und 
weniger saftig erscheinen werden, so daß der Maler diesen Umstand be: 
sonders zuiberiicksichtigen hat. Ein Uebermalen von etwas Ungeniigende1n 
ist nicht möglich, es muß, um dies zu beseitigen, das betreffende Stück 
des Pußes herabgeschlagen, und eine neue Ausführung begonnen werden; 
aber auch das Ausbessern kleinerer Fehler ist schwierig, so daß die Fresko: 
malerei eine besonders sichere Hand und ein fiir die Farbenveränderung 
geübtes Auge erfordert. 
Dies Verfahren til tresc0,  oder wie man dem des Einbrennens, 
der Enkaustik entsprechend sagen könnte, das des Einwässerns,  war bis 
vor Kurzem das allgemein gebräuchliche, obwohl seit mehr als 100 Jahren 
beständig Versuche gemacht worden waren, an seine Stelle ein anderes zu 
setzen, welches eine größere Leichtigkeit des Arbeitens gestattete, dem Wetter 
 noch kräftigeren Widerstand entgegenstellte und dennoch die helle leuchtende 
Farbenstimmuug der Fresken besäße; befonders.seit die Aufdeckung Pom: 
peji7s zu dem seltensten Schatze antiker Malereien führte, nnd man die 
Technik derselben als eine im höchsten Grade ausgezeichnete, ja vollkommene 
erkennen mußte, gingen die Bestrebungen dahin, die Malverfahren der 
Alten wieder aufzusnchen. Allein vergeblich; man wußte zwar aus den 
Schriftstellern, daß die Griechen enkaustisch, daß sie auf trockenem und 
nasfem Grunde, daß sie mit Wachs:, Wasser: und Harzfarben gemalt, 
aber wie sie dabei verfahren seien, konnte man nicht ermitteln. Inzwischen,
        

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