Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriß der bildenden Künste
Person:
Riegel, E. Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3450548
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3452388
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lerisch vollendete Carnation für seinen großen Vorzug eines Gen1äldes 
gehalten. 
Durch die Verwebung der Farbe besonders mit der Schattengebung dmF3sHcu; 
erwächst aber der Malerei eines der größten Mittel ihres Erfolges, es  
erwächst ihr ein Spiel der Lichter und Schatten mit Farbe nnd Glanz, 
ein Weben des Einen in das Andere, das den zartesten Duft über ein 
Gemälde breitet, das den hellen vollen Lichtern ihr Hartes, den Schatten 
ihr Schweres nimmt und überall vermittelt. Es entstehen in wunderbaren, 
sanften Uebergängen leuchtende Schatten, es entsteht das Helldunkel. Was 
das Helldunkel sei, läßt sich so wenig beschreiben, als was Noth sei, für den, der 
Helldunkel und Rath noch nie empfunden hat, doch Niemand möge meinen, 
daß in dem Worte selbst ein Widerspruch in sich liege, da das Dunkle nicht 
hell, das Helle nicht dunkel sein könne. Dies grade ist das unaussprechlich 
tief Kiinstlerische des Helldunkels, daß logisch unvereinbare Gegensätze zu 
einer wunderbaren Klarheit, zu einer geheimnißvollen Dnrchsichtigkeit, zu 
einem natürlichen Zauber innig berwebt sind, daß es hell ist und zugleich 
dunkel, daß es unsere Phantasie tief ergreift, ohne daß unser Verstand 
uns Rechenschaft ablegt: warumP daß es unser Herz mit Ahnungen 
erfüllt, und uns doch zugleich mit gegenwärtigem Gennsse erfreut. 
Correggio ist bekanntlich der Meister des Helldunkels, und neben ihm steht 
Rembrandt als ebenbürtig.  
Endlich wird durch die Färbung die Perspective vollendet. Die eins Dis rast: 
fache Linienzeichnung giebt nur die Verjüngung der Gegenstände; aber weder www. 
diese allein, noch in Verbindung mit der Schattengebung, noch diese beiden 
gemeinsam mit der Farbe erreichen den Schein des Wirklichen vollkommen, 
wenn es sich nicht um Dinge der nächsten Nähe, sondern um eine Pers 
spective von größerer Tiefe handelt. Denn stehen wir in der Natur, so 
erscheinen die nächsten Gegenstände klar, die fernsten aber nicht nur klein, 
sondern auch bläulich nnd verschwimmend; zwischen beiden Aeußersten liegt 
die ganze Reihe der Uebergänge, doch kann man deutlich einen Raum in 
diesen erkennen, der zwischen jenen beiden die Versöhnung, die Mitte bildet: 
man nennt ihn den Mittelgrund, das Fernste dann den Hintergrund, 
das Nächste den Vordergrund. Die Ursache dieser allmäligen Abtönung 
ist die Luft, die nicht farblos, sondern lichtblau gefärbt ist, und der Maler 
muß in seinen Werken, wo er entferntere Gegenstände darstellen will, 
diesen auch eine blänliche Abtönung geben, die den Schein erzeugt, als ob 
zwischen jenen nnd unserem Auge wirklich eine Lustschicht sich befände. 
Dieses allmälige Abtönen der Gegenstände bis zur fernsten Ferne, wo sie 
im Blau der Lust verschwinden würden, nennt man Lustpcrspectivk. 
Es ist klar, daß die Luftperspective nur Anwendung finden kann, wenn
        

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