Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Leitfaden der Kunstgeschichte
Person:
Buchner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3422549
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3423588
70 
Malerei 
Zeitraumes. 
S0thischen 
des 
grund. Als die älteste Malerschule der Art erscheint unter Kaiser Karl IV. 
die böhmisihe um 1360, als deren Meister Nicolaus Wurmser von 
Straßburg und zwei Prager Künstler, Kunze und Theodorich, genannt 
werden. Edler in Farbe und Zeichnung die um 1380 blühende ältere 
Nürnberger Schule. Die bedeutendste indeß ist die Schule von 
Köln, eigenthümlich durch die fromme Einfalt, den weichen Liebreiz und 
die ernste Jnnigkeit ihrer farbenreichen Gemälde, welche reichlich entschädigen 
für das Steife der Zeichnung. Die wichtigsten Kölner Künstler sind der 
anmuthige Meister Wilhelm um 1380 und dessen kräftigerer Schüler 
Stephan Lochner, der Maler des berühmten Dombildes, 1426. Auch 
Westfalen besaß damals namhafte Künstler. Alle diese Schulen behandeln 
ausschließlich kirihliche Stoffe. 
Z. 76. Während die deutsche Malerei steh langsam und spät von der 
Herrschaft der kirchlichen Ueberlieferung befreit und in kleinräumiger 
Darstellung befangen bleibt, tritt in Jtalieu diese Befreiung weit früher 
ein, obgleich auch dort bis tief ins 13.Jahrh. die altchristliche Kunstform 
der Mosaik in Uebung blieb. Der Ruhm, dieses neue Zeitalter der Malerei 
begonnen zu haben, gebührt dem Florentiner Giovanni Cimabue, 
geb. 1240, gest. nach 1301, mit seinen noch in bhzantinischer Weise alter: 
thümlichen, aber doch schön und großartig gedachten Gemälden zu Florenz, 
Asfisi 2c., an welchen sich mit ähnlicher Richtung der sIenesische Meister Duccio 
di Buoninfegna schließt. Derselbe wirkte etwa 1285ss1320. Für die 
italienische Malerei war es von größtem Vortheil, daß dieselbe sich nicht 
auf Tafel: und Glasgemälde beschränkte, sondern daß ihr die Umfang: 
reichen Wände und Gewölbe der Kirchen Gelegenheit zu breiter Entwicklung, 
zu lebensgroßen Reihenfolgen aus dem Leben Christi, Marias und der 
Heiligen darboten und ihr so die Möglichkeit zur Gewinnung eines groß: 
artigen Kunststiles geboten war. Hauptstätte dieser Kunst war Toseana, vor: 
nehmlich Florenz, Pisa, Siena; Hauptmeister dieser Zeit ist der alle Künste 
umfassende Schüler Cimabues, der große Meister Ambrogiotto Buondone 
aus dem florentinischen Dorfe Vespignano, kurz Giotto genannt C1276 
bis 1337J, welcher mit seinen Wandgemälden zu Padua, Assisi, Florenz 2c. 
und seinen Tafelbildern die Befreiung der Kunst eigentlich bezeichnet; seit 
1334 Dombaumeister, baute und schmückte er den herrlichen Glockenthurm 
von Florenz. An ihn schließt sich der Z. 74 erwähnte Andrea Orcagna 
mit seinen umfangreichen Wandgemälden zu Florenz, Werken von gewaltiger 
Kraft des Gedankens und der Darstellung. Stiller und inniger die etwas 
spätere Schule von Siena, als deren Hauptmeifter Simone Martini, 
gemeiniglich Simone Memmi genannt  erscheint. Die voll: 
endete Blüte mittelalterlicher Malerei sind die Werke des Frd Giovanni 
Angelico da Fiesole  aus dem florentinischen Dorfe 
Vicchio, 1407 Dominikanermönch in Fiesole, 1436 Bruder zu S. Marco 
in Florenz. Fiesole ist ein Künstler, dessen Wandgemälde und Tafelbilder 
die tiefste Frömmigkeit und feierlichste Würde mit holdseligster Anmuth, 
treffliche Zeichnung und Anordnung mit leuchtender Farbenpracht zu hin: 
reißend schöner Gesammtwirkuug vereinigen. Er starb zu Rom.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.