Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Leitfaden der Kunstgeschichte
Person:
Buchner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3422549
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3423273
Die 
Zweiter .Haupttheil. 
bildende ;7p.unst des 2LTittelalter5. 
Erster 
Abschnitt. 
Die alttt1rIsil1tiJe Kunst. S 
S. 49. Mit der sinkenden Kaiserzeit hatte sich die antike Kunst aus: 
gelebt. Die Baukunst hatte in unglaublich reicher Entwickelung Werke 
verschiedenster Art hervorgebracht, war jedoch, die naturgemäße Gliederung 
und Bestimmung der einzelnen Bantheile aufgebend, mehr und mehr in 
Willkürlichkeit verfallen, wußte nur noch durch Ueberreichthum oder Ueber: 
größe zu wirken. Der alte Götterglaube war todt, mit ihm Freudigkeit 
und Stoff zu reger bildnerischer Thätigkeit, soweit sie nicht der Schmeichelei 
gegen den Kaiser diente; die Malerei war längst im Kunsthandwerk unter: 
gegangen. So war von der herrlichen Blüte der antiken Kunst nur die 
handwerkliche Fertigkeit übrig geblieben, der Geist erloschen; die erstorbenen 
Formen einer alternden Kunst mit neuem Geiste zu beleben, war eine der 
großen Aufgaben des Christenthums; nicht der schwächste Beweis für die 
weltgeschichtliihe Bedeutung desselben ist es, daß es diese Neuschöpfung 
vermochte, nnd auch dieses nur, weil es von einer völlig anderen Welt: 
anschauung ausging, als die absterbende Kultur des Römerreiches. 
Das griechische und römische Heidenthum fand in einem fröhlichen 
Genuß der Welt, in regem Wirken für dieselbe sein höchstes Ziel, und 
gab diesem Drange auch in der Kunst Ausdruck, welche ein heiteres 
freudiges Gepräge hat, das denkbar Schönste darzustellen sucht. Das 
Christenthum trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes, mißachtet die 
Dinge dieser Welt, die vergänglichen Freuden des irdischen Lebens; es ist 
der Glaube der Dürftigen, der Mühseligen und Beladenen, der Kunst: 
armen, und wird, in dieser bisweilen krankhaften Abkehr von der Welt 
durch wiederholte schwere Versolgungen nur bestärkt; es bildet mit seinem 
Ernst, seiner Gemüthstiefe, seinem Trachten nach dem Ueberßnnlichen und 
Ewigen, seiner bildlosen Gottesverehrung den vollen Gegensatz zu dem 
weltfreudigen Heidenthnm, neben welchem es unmerklich zu immer größerer 
Macht, endlich zu staatlicher Duldung und Anerkennung heranwächst. 
Damit war dem Christenthum auch die Möglichkeit künstlerischer Eni: 
faltung geboten, und diese mußte sich zunächst der überkommenen Formen 
bedienen; aber dieselben werden durchaus neu belebt; eine Weiterbildung 
der antiken Plastik findet gar nicht statt.E Die christliche Kunst erwächst, 
wie jede neue Kunstblüte, aus dem Boden des Kultus, aus der Herstellung 
und Auszierung der Näume, welche der Bestattnng oder Gottesverehrung 
gewidmet sind.
        

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