Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Leitfaden der Kunstgeschichte
Person:
Buchner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3422549
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3423156
Polyklet. 
Skopas. 
Praxiteles. 
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S. 31. Auch im Pelopounes erblühte gleichzeitig die Bildnerei zu 
hoher Meifterschaft, wobei besonders Polyklet von Argos sich auszeichnete, 
der Bildner der Hera zu Argos und vornehmlich zahlreicher eherner 
Athletenstatnen. Obgleich aus der Schule des Phidias hervorgegangen, 
haben Alkamenes und Paeonios hauptsächlich im Peloponnes gearbeitet. 
Polyklet, wie Phidias und Mhron Ageladas Schüler, Erzgießer, Toreut, 
Bildhauer und Baumeister, etwa Ol. 82.92  Sein Goldelfenbeinbild 
der Hera zu Argos, das Meisterwerk der Toreuttk, das Angesicht von ernster 
Schönheit und feierlicher Würde CJuno Ludovisi Nachbildung II. Sein Doryphoros 
galt als Musterbild, leimen, schöner männlicher Körperverhältnisse. Alksamenes 
von Athen, Erzgießer, Bildhauer und Toreut, Ol. 83ss94  und 
Paeonios von Mende, um Ol. 86 C436J, schmitekten den Zeustempel zu Olympia 
cs.23J mit herrlichen, neuerdings theilweise wieder ausgegrabenen Giebelgruppen. 
Die Bildwerke des ApolIontempels zu Phigalia zeigen höchstes Leben, geistreiche 
Erfindung, aber auch zugleich in der leidenschaftlichen Bewegung der Gestalten die 
Anfänge der folgenden Kunstrichtung. 
Z. 32. Die im peloponuesischen Kriege ausgesprochene und vollendete 
innere Zerrüttung Griechenlands wirkte auch auf die Kunst über. Der 
alte naive Götterglaube war dahin, mit ihm Lust und Fähigkeit zur 
Darstellung der Gottheit in ihrer ernsten Schönheit, heiligen Würde; an 
Stelle derselben tritt die Darstellung des Neizvollen, Leidenschaftlichen, 
Begeisterten, Erschütterndeu, der Ausdruck nicht sowohl der gesammelten 
religiösen Gemeinstimmung, als der menschlich bewegten Stimmung des 
Einzelnen, an Stelle der selbstlosen Schönheit das Streben nach spannen: 
der Wirkung. Das ernste Kultusbild tritt zurück, an seine Stelle die 
Darstellung reizvoller jugendlicher Gottheiten, Apollon, Dionysos, 
Aphrodite, Eros, oder kräftig bewegter männlicher Schönheit. Die Gold: 
elfenbeinkunst fällt fast in Vergessenheit; statt des dunkeln ernsten Erzes 
wird der feinere milde Marmor mit Vorliebe benutzt, welcher durch 
Tränken mit gefärbtem Wachs einen leichten Ton erhielt; an Stelle der 
großen monumentalen Aufträge der Staaten treten die Aufträge reicher 
Privatleute und damit das Vorwalten persönlichen Beliebens. So ist 
die zweite Hälfte dieses Zeitraums, Ol. 94, 1s111, 1  
wenn auch eine Zeit hoher Kunstblüte, doch zugleich eine Zeit allmählichen 
Absteigens von der vormaligen herrlichen Höhe. 
Z. 33. Die jüngere athenische Kunstschule, durch welche die Bildnerei 
zuerst die der damaligen Stimmung der Gemüther zusagende Richtung 
empfing, aufgeregtere oder weichere Empfindungen darzustellen, knüpft sich 
besonders an Skopas und Praxiteles, an welche sich zahlreiche 
treffliche Künstler anschlossen, wie Polyklet, Leochares, Timotheos, Bryaxis, 
Silanion re. Beide Hauptmeister arbeiteten mit Vorliebe in Marmor; 
die holdselige Anmuth oder die erschütternde Macht ihrer Werke find 
Ursache, daß wir, wenn auch nicht die Urbilder, doch zahlreiche spätere 
Nachbildungen derselben besihen. 
Anderseits wird die Schule des Polyklet, die argivisch:sikyonifche, 
deren Augemnerk immer mehr auf die Darstellung körperlicher Wohlgestalt 
und heroischer Kraft gerichtet gewesen war, durch Euphranor und, 
Lysippos fortgesetzt, besonders. der Letztere bedeutend in Darstellung des 
Herakles, von Athleten, sowie Alexanders des Großen.
        

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