Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Leitfaden der Kunstgeschichte
Person:
Buchner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3422549
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3423924
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Die 
Malerei der Romantik. 
Der Beginn dieser Neugestaltung, die Begründung der romantischen Malerei, 
erfolgte zu Rom. Dorthin kamen 1810 Friedrich Overbeck und.Wilhelm 
Schadow, 1811 Peter Eornelius; außer ihnen mehrere junge Künstler 
geringerer Bedeutung. Ein Theil derselben hauste gemeinsam in dem 
aufgehobenen Kloster Sant Jsidoro und hießen davon die Klosterbrüder; 
beseelt von einer sihwärmerisahen Frömmigkeit, welche zahlreiche Künstler 
in jenen Jahrzehnten der römischen Kirche zuführte, studirten sie mit be: 
sonderem Eifer die frühitalienischen Meister Fiesole, Masaccio 2c. und 
gewannen das Bewußtsein, daß, um Großes zu leisten, vor allem eines 
Erneuerung der Freskomalerei nöthig sei. Als sich 181Z der Kreis der 
Klosterbrüder auflöste, blieben die beiden größten, Eornelius und Overbeck, 
zurück. Nach Beendigung der Freiheitskriege, 1815, kam neuer Zuzug 
deutscher Künstler, welchen, wie vorher Wilh. von Humboldt, so jeZt der 
preußische Gesandte Niebuhr emsig förderlich war; der Generalkonsul 
Bartholdy ließ einen Saal seines Hauses durch Cornelius nnd Overbeck,i 
Schadow und Phil. Veit mit Fresken aus der Geschichte Josephs zieren; 
es wart der ersehnte Anfang einer monumentalen Malerei. 1818 trat 
in den römischen Künstlerkreis der Kronprinz Ludwig von Bayern, ein 
Ereignis von höchster Bedeutung für die gesammte fernere Entwickelung 
der Kunst; denn er faßte hier den Plan, seine Hauptstadt mit einer Reihe 
großartiger Bauten und diese mit Fresken zu zieren; zu dem Ende berief; 
er 1819 Eornelius nach München. Nach und nach kehrte der größere 
Theil der Künstler nach Deutschland zurück; es beginnt mit jener römischen 
Werdezeit, 1810ss20, die junge Blüte der deutschen Malerei, deren 
Hauptmeister alle in Rom die Anregung empfangen haben. Sie befreien. 
sich völlig von der steifen inhaltslosen Formgerechtigkeit der früheren 
akademischen Kunst, von,der ausschließlichen Verehrung der Antike; mit 
religiöser Jnnerlichkeit, mit durchaus idealem Streben treten sie ihrer 
Aufgabe gegenüber, wählen sie nur große Stoffe aus der biblischen 
Geschichte, der griechischen Götter: und Heldensage, der deutschen und 
italienischen Dichtung. Erscheinen die Werke dieser Meister, wenigstens 
im Beginn, nicht selten alterthümlich und sogar unschön, vernachlässigen 
sie im Streben nach geistigem Jnhalt oder gläubiger Vertiefung öfter 
den sinnlichen Reiz einer belebten Zeichnung und reichen Farbenpracht, 
so wirken sie dafür nachhaltig durch die Größe ihres Strebens, die Fülle 
der Gedanken und der Erfindung. Sie befreien die deutsche Malerei 
nicht nur von der knechtischen Nachahmung der alten Kunst, welche vor: 
wiegend eine plastische war, sie machen dieselbe auah unabhängig von der 
französischen Modeschule eines David, deren Werke wohl formgerecht, aber 
kalt, pathetisch und entschieden undeutsch erscheinen; sie haben zugleich das 
große Verdienst, schon mit ihren ersten Arbeiten die so lange völlig vergessene 
Freskomalerei wieder ins Leben zu rufen und damit den Drang nach dem 
Großartigen, kirchlich oder national Volksthümlichen zu erwecken, einen neuen 
strengen Kunststil zu begründen, welcher in seinen edelsten Hervorbringungcn 
christliches Gemüth, deutschen Geist und antike Schönheit vereinigt. 
Z. 111. Peter von Cornelius, der größte Meister der neueren 
deutschen Kunst, ward geboren 2Z. September 1783 zu Düsseldorf.
        

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