Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Leitfaden der Kunstgeschichte
Person:
Buchner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3422549
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3423810
Die 
bildende 
Kunst 
im 
und 
18. Jahrhundert. 
93 
freiwillig 1550ss52 die Gefangenschaft des Kurfürften Johann Friedrich, 
und starb 1553 zu Weimar. Cranach steht den Vorgenannten nicht 
gleich, aber seine Tafelbilder kirchlichen Inhalts zeigen bald Kraft nnd 
Würde, bald eine kindliche Anmuth, allezeit eine herzerfreuende Frömmigkeit 
und schöne Farbenwirkung, ebenso sind manche. seiner Bildnisfe von trefflicher 
Ausführung, sehr viele freilich nur massenhaft bestellte Gesellenarbeiten. 
Auch in mythologifcher und hutnoristisiher Darstellung versuchte er sich. 
Mehrere Schüler Dürers sind mit Achtung zu nennen, wie der treffliche Bildnis: 
maler Georg Pens, f1550, Albrecht Altdorfer, Js1578, die Brüder Barthol. 
und Hans Sebald Veham, auch Knpferstecher, u. a. Andere tüchtige Künstler der Zeit 
Hans Baldung Grien zu Straßburg, sss 1545, Matthias Grünewald aus Aschaffenburg, 
sssnach 1529 ne. Berühmtestes Gemälde von Holbein die Madonna des bafeler 
Bürgermeisters Meyer. Auch L. Cranach der Jüngere, 1515g86, war ein guter Maler. 
Zweiter 
Abschnitt. 
Die 
bildende 
Kunst 
im 
und 
ZahrlJnndert. 
s., 97. Während Baukunst und Bildnerei 1nit dem Ende des 
16. Jahrh. rasch in prunkende Leere oersielen, zeigt das 17. Jahrh. 
einen ganz überraschenden Aufschwung der Malerei, eine neue glänzende 
Blüte, weniger in Jtaliein als in den nordischen Ländern. Jndeß die 
römische Kirche im Kampfe gegen den Protestantismus ihre Kräfte zu 
lebendigerem Glaubensleben sammelte und dadurch die italienische und 
spanische Malerei neue Anregung empfing, suchte die nordische Kunst eines 
Rubens, soweit sie kirchlich blieb, ihre Aufgabe mit einer gesunden Welt: 
sreudigkeit zu lösen; in dem protestantischen Holland dagegen entwickelte 
sich ein unglaublich reiches und mannigsaltiges Kunstleben, eine Pflege 
der Tafel: und Kleinmalerei, welche völlig Neuartiges und dabei höchst 
Vorzügliches hervorbrachte. Gemeinsame Eigenschaft dieser Kunst des 
17. Jahrh. ist der Naturalismus, d. h. der völlige Bruch mit jeder 
Ueberlieserung, das Streben nach voller Lebenswahrheit. Gegen Ende 
des 17. Jahrh. hört diese freudige lebensvolle Nathblüte der Renaissance 
auf; auch später noch haben begabte Künstler Schönes geleistet, aber nur 
als geschickte Nachahmer und Weiterbildner früherer Leistungen; einen 
großen Maler von durchschlagender Wirkung  umgestaltenden neuen Ges. 
danken besitzt das 18. Jahrh. nicht.  
Z. 98. Die kirchliche Malerei Jtaliens im 16. Jahrhundert war 
eine durchaus naive gewesen; gläubig oder freigeistig gesinnt, hatten die 
Maler ihre Bilder aus dem Kreise der kirchlichen Vorstellungen zunächst 
mit dem. Zwecke geschaffen, Schönes darzustellen; sie beschränken sieh auf 
die heilige Geschichte, Madonnen und heilige Familien und andere Bilder 
von einfacher, durchsichtiger Anordnung, gemessener Bewegung, tiefer und 
leuchtender Färbung. Der Katholizismus der zweiten Hälfte des 16. Jahr: 
hunde,rts hat eine andere Richtung; er nimmt eine schwärmerische, düstere, 
leidenschaftliche Stimmung an, welcher die stille, ruhige Gedankenschönheit
        

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