Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Leitfaden der Kunstgeschichte
Person:
Buchner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3422549
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3423765
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Correggio. 
Die 
Venezianer. 
eines sonst nicht bekannten lombardischen Meisters Ferrari, scheint er 
sich in der Farbenbehandlung besonders nach Lionardo gebildet zu haben. 
Er malte in jungen Jahren eine Reihe kirchlicher Räume in Parma mit 
Fresken aus, welche bereits in ihrer weltlichen Haltung, in den gewagten 
Verkürzungen, den lebendigen Bewegungen, dem flatternden Wurf der 
Gewänder des Künstlers Eigenart zeigen. Seine Hauptkraft aber hat er 
in Oelbildern entwickelt, welche theils kirchliche, theils mythologische Stoffe 
behandeln. Dieselben zeigen die gemeinsamen Eigenschaften einer reizenden 
Anmuth, einer zuweilen bis ins Schwärmerische und Verzückte gesteigerten 
Darstellung der Gemüthsregungen, die unverhüllte Vorführung körperlicher 
Schönheit, dasselbe süße Lächeln, selten ruhige Beschaulichkeit, vielfach 
leidenschaftliche Bewegung, unruhige Anordnung; allezeit aber eine unglaub: 
liche Weiche und Fülle malerischer Kunst, eine zauberhafte Beherrschung 
von Farbe und Licht, ein höchst eigenthümliches bis in die tiefsten Schatten 
durchsichtiges Helldunkel, so daß trog der Mängel in Zeichnung und 
Anordnung diese Bilder in glänzendster Weise wirken. 
Treffliche Bilder von Correggio in Dresden Cheilige Nacht, Magdalena, mehrere 
Madonnen mit HeiligenJ, in Parma, Paris 2c. Correggio war in anderer Weise 
als Michelangelo ein bedenklicher Lehrmeister. Des Letzteren Schüler suchten durch 
Gewaltsamkeit der Gestalten und der Zeichnung dem Meister naehzueifern, Correggio 
verlockte jedes schwächere Talent, in gesuchten Lichteffekten, unruhig aufgeregten oder 
süßlich gezierten Geberden und Formen den Meister zu überbieten. So verfallen 
Correggiois Schüler, unter welchen Francesco Mazzuola, genannt Parmigianino, 
1503ss1540, der bedeutendste ist, alsbald in eine ungenießbare Manier. 
S. 93. Die venezianische Malerei hält Reh frei von den Ein: 
flüssen der gleichzeitigen übrigen Schulen Jtaliens; sie geht nicht aus von 
der Freske, sondern ist ausschließlich Oelmalerei, welche hier durch Antonello 
von Messina Es. 85J zuerst festen Fuß faßte und bereits durch Gianbellin 
is. 86J zu höchster Vollendung ausgebildet ward. Haupteigenschaft der 
Schule bleibt die tiefe leuchtende Farbe, nicht gerade verbunden mit 
einem besonders idealen Sinn, besonderer Tiefe des Gedankens, aber mit 
klarer maßvoller Zeichnung und Gruppirung, lebendiger freudiger Schön: 
heit, einer aus der steten Rückkehr zur Lehrerin Natur hervorgehenden 
kräftigen Gesundheit der Hervorbringungen. So haben die Venezianer 
das Andachtsbild, die mythologische Darstellung und das Bildnis mit 
gleicher Meisterschast behandelt, sogar zuerst sich mit Erfolg in der Land: 
schast versucht; diese natürliche Gesundheit der venezianischen Malerei ist 
auch die Veranlassung, daß sie nicht, gleich den andern Malerschulen, nach 
kurzer Blüte in Dürftigkeit und Manier verfiel, sondern ein Jahrhundert 
lang, von einer Fülle hochbegabter, mehrfach sehr lange lebender Meister 
gepflegt, eine unglaubliche Menge edler Kunstwerke hervorbrachte. 
s. 94. Die bedeutendsten Meister der venezianischen Schule sind: 
Giorgio Barbarelli aus Castelfranco, genannt Giorgione, 1477 bis 
1511, Gianbellins Schüler. Die Bilder des frühgestorbenen Meisters 
sind nicht zahlreich, zeichnen sich aber durch Kraft der Charakteristik und 
der Farbe aus, noch mit einer gewissen an die ältere Zeit erinnernden Herde. 
Tiziano Vecellio da Cadore, kurz Tizian genannt, 1477ss1576, 
Schüler Gianbel1ins, dann Nachahmer Giorgioneis, der größte venezianische
        

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