Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Leopold Robert
Person:
Zoller, Edmund
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3416492
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3418589
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könnten; aber, wie ich Ihnen sogleich sagte, ich kann 
nicht anders, ich finde die Werke des Schöpfers weit er: 
habener, als alle Darstellungen, welche die begabtesten 
Geschöpfe machen konnten.WJ 
In diesem jiidischen Quartier kam ihm zuerst die 
Idee zu seiner ,,Heiligen Familie in Eghpten,U die er 
erst viel später au8führte. Für den Augenblick wollte 
er nicht über Chioggia hinaus und sich nicht von seiner 
Darstellung der Jahreszeiten abziehen lassen. Er studirte 
für sein Bild den Wurf der venezianischen Regenmäntel, 
in die sich die kühnen Schisfer der Lagnnen aus ihren 
weiten Fahrten im Winter hül1en. Auch glaubte er, 
durch die Tracht der Frauen wirken zu können, durch 
jene einfache Leinwand mit den ungeheuren Dessin8 in 
den schreiendsien Farben, die nickt an die Strenge der 
Antike, sondern an die reichen Dan1aste Vergangener 
Jahrhunderte erinnerte. Er, dessen Herz so leicht zu 
rühren war, konnte überdies nicht ohne tiefe Bewegung 
diese sleißigen Volksklassen betrachten, die allen Gefahren 
der beschwerliehsten Fahrten ausgeseSt sind und steh die 
zahlreichen Spuren der alten Bezügnisse zu den Orientalen 
erhalten haben. Bei ihrem Anblick erinnerte er sich der 
Kreuzzüge und ihre täglichen Ausfahrten führten ihm das 
Bild der Expedizionen nach dem heiligen Lande vor 
Augen. Er entschied sich deshalb unabänderlich für die 
,,Abfahrt der Fischer des adriatischen Meeres zum großen 
Fischzugii, und diejenigen seiner Figuren, tvelrhe das 
unerbittliche Messer verschont, traten nun in die neue 
Compos1zion ein. 
Venedig 
Brief an Marcotte, 
J 
14. September 
1832.
        

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