Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Leopold Robert
Person:
Zoller, Edmund
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3416492
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3418575
Anblick etwas die Phantaße Befruchtendes. Das Poßtibe 
ist in unsern Augen, ich möchte sagen, zu materiell. 
Das ist es auch, weßhalb die großen modernen Städte, 
trotz all ihres Glanzes und der Menge des Bewunderns: 
werthen, das sie uns bieten, uns Künstler kalt lassen 
und nicht zu inspiriren vermögen. Ich habe ein Quartier 
besucht, das ich noch nicht kannte, den Ghetto. Sie 
wissen, daß man beinahe in allen Städteu Italiens die 
Juden auf enge Grenzen confinirte, aus denen Nr nicht 
heraus durften. Sie bilden deshalb auch hier weit mehr eine 
besondere Corporazion, als in unsern Ländern, in denen 
sie wohnen können, wo es ihnen beliebt. Daher der 
außerordentlich n1arkirte Character, den sie sich hier be: 
wahrt haben. Ich habe herrliche Köpfe gesehen, die vor: 
treffliche Modelle zu Phhsiognoinien von großartigem 
Gepräge liefern würden. Ich sah Priester, Propheten, 
Josephs, und unter den Frauen Iudith7s, Rebekka7s und 
selbst Madonnen. Ich muß gestehen, daß ich bei diesen 
Beobachtungen nicht umhin konnte, den unsterblichen 
Raphael weit unter der Natur zu finden und es scheint 
mir, daß er bei seiner erhabenen Anschauungsweise weit 
größere Wirkung hervorgebracht, wenn er allen seinen 
jiidischen Vorwürsen den Character gegeben, den die 
Natur bietet. Freilich hat er vielleicht zu seiner Zeit 
nicht wie in der unserigen die Gelegenheit gehabt, ganze 
Haufen dieses eigenthümlichen Volkes aus einem Punkte 
vereinigt zu sehen, dieses Volkes, das, trog seiner Zer: 
sireuung, einen so auffallenden Typus bewahrt hat nnd 
dein Nachdenken so vielen Stoff .bietet. Ich würde es 
nicht wagen, irgend Jemandem, als Ihnen, diese Beinen 
kungei1 mitzutheilen, die leicht sehr diinkelhaft ersäjeinen
        

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