Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wilhelm Kaulbach
Person:
Müller, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3410317
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3415691
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Verkehr 
mit 
der 
Heimat. 
bekannt nnd vertraut mit den Kindern, sie sprangen u1n mich heru1n, 
ich sollte sie alle an der Hand führen nnd tausend Fragen zugleich be: 
antworten: ,,Warum meine Johanna dem Emilchen nie geschrieben habe, 
wie groß meine Maria, ob sie auch beide recht geschickt seien im Stricken, 
Nähen, Sticeu, im Lesen, Schreiben, Rechnen, im Ftlavierspiel, im 
Artigsein nnd Folgfamfein.H Da konnte ich denn überall die besten 
Antworten geben. Au Leonhards Haus empfing uns Karoline. Sie 
war seit einigen Tagen ans dem Bette und, obwohl etwas bleich, doch 
sonst munter und wohl. Montag soll die Taufe von dem gesunden, 
netten Töchterlein sein. Von Mülheim, Leonhards Haus und meinen 
schönen Wohnzimmern will ich euch in meinem künftigen Briefe mehr 
erzählen. Nun noch einiges von der Reise. 
 Juli. Am Montag bin ich in einem Einspiinner von Eins 
abgefahren, und bald nach meiner Ankunft in Koblenz habe ich einigen 
befreundeten Familien meinen Besuch gemacht. Zuerst dem alten Las  
faulx, einem trefflichen, verdienstvollen 9Jkanne, der noch immer mit 
jugendlichem Eifer seiner Kunst ergeben ist. Von da den Familien 
Diet; und Clemens, soliden Kaufleuten, inmitten ihres trefflich geord: 
neten Hauswesens. Die Leute kennen zu lernen, war mir auf die 
emfer Komödie recht wohlthuend. Zum Mittagessen war ich bei einem 
reichen Kaufmanne Jordans. Einen vorzüglichen Kaffee bekam ich bei 
Clemens in Gesellschaft der heiligen Frauen Maria Görres, Steingas3, 
Herrn und Frau Ströber. Diese schönen Heiligen versuchten ihre ganze 
Beredsamkeit, mich auch zu der Pilgerfahrt nach Aachen zu veranlassen, 
auf der sie eben begriffen find, und nach ihrer Meinung sei das die 
beste, und für mich die geeignetste Nachkur des Emfer Bades. Zum 
Abendefsen war dieselbe Gesellschaft bei Longarts eingeladen, wo bis 
elf Uhr getafelt wurde. Du siehst, geliebte Josefine, nichts wie Essen 
und Trinken und fromme, erbanliche Gefpräche führen ist die dermalige 
einzige Beschäftigung deines Mannes. Dienstag morgen fuhren die 
Pilgerinnen und meine Wenigkeit, vom ,,Tenfel im JochE getragen und 
begünstigt vom herrlichsten Wetter, nach St. Apollinarius, wo wir denn 
auf das Freundlichste von Degers bewillkommnet wurden. Jch fand 
den guten, edeln Deger in der Kirche hoch oben auf dem Gerüfte in 
voller Thätigkeit, umgeben von seinen sehr schönen Arbeiten, und ich 
muß sagen, ich empfand die herzlichste, innigste Freude, diesen guten 
Nienschen so wohl nnd gesund und heiter wieder zu sehen. Durch 
meine Ankunft wurde Deger auch veranlaf3t, einige Tage Palette 
und Pinsel ruhen zu lassen, 1md Wir beschlossen, den morgigen Tag zu 
einer schönen Wasserfahrt zu benutzen. Nachdem die Pilgeriunen uns 
verlassen hatten, blieb ich noch bis spät abends mit Degers z11samn1en,
        

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