Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wilhelm Kaulbach
Person:
Müller, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3410317
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3415210
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Fuchs. 
Reincke 
Das selbstben1uszte Erscheinen Reinekes bei Hofe nnd seine Rede 
zum König im neunten Gesange wird zunächst von Kaulbach bei Seite 
gelassen. Nobel hat sich zornig von dem Schlaufuchs abgewendet, der 
fiir alles eine Entschuldigung findet, der den großen Vorteil für 
sich hat, dass die Hauptzeugen seiner Missethaten, Lampe und Bellun, 
tot sind, auf die er nun alle Schuld zu schieben vermag. Mit dem 
Könige werden wir in das Allerheiligste des Königsitzes geführt, 
in das Schlafgemach der Königin, die beim Ampelschein auf üppigem 
Lager gebettet ist, die jüngst gebotenen beiden Säuglinge am Busen, 
neben sieh ein gemordetes Hahn. Denn auch der König und sein 
Gemahl leben vom Diebstahl und Mord. Das Kronprinzchen sitzt be: 
haglich auf dem Töpfchen. Jn1 Vordergrunde kniet die geschwätJige 
Aefsin Frau Rückenan, als Wartefran gedacht, mit Haube, Handtnch, 
Schwamm, Seife und Wnschgerät, und zählt an den Fingern dem König 
alle die Dienste und Verdienste des klugen Reineke her, die dieser dem 
Hofe bereits als allzeit schlauer Ratgeber erwiesen hat. Sie wird ans 
diese Weise zur wichtigsten und nachhaltigsten Verteidigerin des geliebter: 
Verwandten. Jn1Hansrock, den Schweif dureh das Knopfloch gezogen, 
die Brille aus der Nase, mit lang herabwallenden Locken, das Szepter 
in verschränkten Klauen auf den Rücken haltend, hört Nobel andächtig 
der redseligen Fiirbitterin zu nnd ist schon halb und halb bestinnnt, des 
Verbrechers Selbstverteidigung weiterhin gnädigst entgegen zu nehmen. 
Und so erhält im zehnten Gesange Reineke wiederum das Wort zu 
weiteren Lügen nnd beschreibt in ausführlichen Reden die köstlichen 
Kleinodien, die er dem getöteteu Widder Bellyn als Geschenk für König 
und Königin mitgegeben haben will. Zwei Fabeln, die kunstreich auf 
dem der Königin zugedachten Spiegel angebracht gewesen sein sollen, 
geben dem Künstler Gelegenheit zu neuen Jllustrationen. Erstlich die 
Fabel vom Schos3hündchen des reichen Mannes, das Boldewyn der Esel 
beneidet. FaulIenzend liegt.der Reiche in der Gestalt des Löwen, in Schlaf: 
rock und Pantoffeln, auf weichem Kissen, sein Hündchen streichelnd, und 
läßt sich von dem Affen als Friseur die Locken seiner Perrüike brennen. 
Da kommt der klobige, ungehobelte Esel, der nicht mehr imnIer die 
Arbeit verrichten und Säcke schleppen will, huldigend heran und be: 
lästigt mit einem Blumenstrauße aus Disteln den unwirschen Hausherrn, 
der sich mühsam der groben Zärtlichkeit erwehrt, während die Knechte, 
Füchse und Hunde, darunter ein prächtiger Mosis als Lakai, den un: 
gebetenen Eindringling von hinten an Schweif und Ohren zurückzerren.  
Das zweite Stückchen erzählt vom Wolfe, der sich an einem Pferde 
überfressen und ein spitziges Bein in die Quere des Nachens bekommen 
hat. Kläglich liegt der Kranke auf dem Rücken. Die Kraniche als
        

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