Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wilhelm Kaulbach
Person:
Müller, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3410317
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3414803
Anakreon. 
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Daneben wurden mehrere interessante Porträtstndien ans Kaulbachs 
Nachlaß veröffentlicht, die dieser Schaffensperiode angehören, Kostüm: 
bilder von sehr fleißiger Ausführung 1md, was ihr inneres Leben angeht, 
von großem Reize: Torquato Tasso in mildem, nachdenklichen Ernste; 
ein sehr graziiis ansgesiihrter Edelknabe mit dem Falken auf der Hand 
und der Geige aus dem Rücken; und ein blühender, in tiefes Sinnen 
versunkener Künstler, n1it Buch und Stndie1nnappe, dem ein junges 
Weib ein Glas Wein und eine Rose bringt  alle drei vermutlich in: 
folge der zweiten italienischen Reise gemalt. 
Aus derselben Zeit stammt auch das einstmals vielbesprochene Ob 
bild Kanlbachs, ,,AnakreonE, dem spätere Generationen freilich weniger 
Geschmack abzugewinnen vermögen. Es ist eine etwas weichliche Dur: 
stellnug der Unterweisung der ziirtlichen Geliebten durch den Dichter, 
eine veränderte, nicht aber verbesserte Auflage der Komposition zur fünften 
Elegie von Goethe. Vor dem Paare liegt ein Buch aufgeschlagen, während 
ziemlich anziiglich auf der Seite des Mädchens ein Amor Ol auf das Licht 
giesst und auf des Dichters Seite ein zweiter geflügelter Knabe Früchte 
herbeibringt. Das Bild wurde mehrfach vervielfältigt, blieb aber selbst 
im Besit,5e des Künstlers und fand auch eine photographische Wieder: 
holung in den Publikationen ans dem Nachlaß. Ein Ungar, St. 
Pionnay, der 1840 in Kaulbachs Atelier arbeitete, auch dort den 
Eieerone machte, wenn der Künstler abwesend war, hatte ursprünglich 
die Absicht kund gethan, den Anakreon zu kaufen. Es geschah das in 
einer Zeit, wo Kaulbach ziemlich vertranten U1ngang mit mehreren 
hochbegabten Ungarn in München hatte. Dazu gehörten Szarvady, 
später inHParis thätig, Eötvös, Teleph und Petrits. 
Während der Anakreon gemalt wurde, machte Freund Felsing aus 
Darn1stadt dem Künstler beherzigenswerte Vorschläge über einzelne 
Punkte des Bildes Lin einem Briefe vom 21. Juni 184Us: ,,Das3 ich 
Dir heute schreibe, geschieht nur, um Dir zu zeigen, wie sehr ich mit 
Dir in1 Geiste zusammen lebe. Das angefangene Bild steht mir eben 
so lebhaft vor Augen, sollte ich darum nicht eine Ansicht aussprechen 
dürfen, die mir beim Aufzeichnen einer kleinen Skizze einfielP Jch meine, 
es müsse schöner sein, wenn das Kissen, worauf die Geliebte halb sitzt, 
halb liegt, wie in dem Karton, ein dunkelfarbiges Divankissen mit 
streisigen Verzierungen wäre, statt wie jetzt durch das helle Leinen mehr 
an ein Bett zu erinnern. Auch meine ich, es wäre der Gruppe vor: 
teilhaft, wenn sich die weibliche Figur heller davon abhöbe. Dieser 
letzteren dürftest Du vielleicht auch im Übermalen eine schönere Farbe 
lheiters geben, als es jetzt das Gelb ihres Gewandes ist; der Gegensatz 
in dem dunkelroten Mantel dürfte  noch wohl vertragen.  Alle
        

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