Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wilhelm Kaulbach
Person:
Müller, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3410317
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3414705
Die VolIzieher 
des 
Strafgerichts. 
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Hohepriester, den blanken Opferstahl auf das Herz gerichtet  eine 
schön gewachsene, echt orientalische Gestalt, gleich dem Hohenpriester 
Simon CSirach 50I, mit edelm aber fanatischem Gesichtsausdruck, in 
kostbarer Priesterkleidung, auf der Brust den Schild mit den zwölf 
Edelsteinen der Stämme Juda, ein Nachkomme der Makkabäer, ent: 
schlossen, weder den Untergang seines Heiligtums zu erleben noch seine 
Familie lebend in die Hände des trot;,igen Siegers gelangen zu lassen. 
Er und sein Stamm, der das Wort Gottes gepredigt, kann nicht dem 
Sieger zum Spott. und Triumph dienen. Sein Selbstmord. ist eine 
.Notwendigkeit. Nichts bezeichnet deutlicher das Aufhören der Selbst: 
ständigkeit der Juden, als wie die Zerstörung des Altars und der Tod 
des Hohenpriesters und Königs samt seiner Familie. Zur Linken fallen 
seine Söhne sterbend nieder, vom Vater selbst getötet. Zur Rechten 
kniet sein Weib mit der Hand auf den entblößten Busen zeigend. Sie 
fleht den Gatten an, auch ihr den erlösenden Todesstos3 zu geben. Er: 
greifend, wenn auch etwas theatralisch, ist so der Zusammenbruch des 
tausendjährigen Reiches, der Jehovaglaube des alten Testamentes ver: 
anschaulicht. Der Kernpunkt der Tragödie des Bildes ist richtig in 
die Mitte gelegt. Noch weiter nach dem Vordergrunde zu hocken in 
sinsterer Trauer und Verzweifelung die Leviten, das Haupt verhüllt und 
zu Boden gekehrt, mit den Tempelgeräten und Schätzen, mit den 
zertrümmerteu Harfen, zu denen sie ihre Preislieder sangen. Alle 
wissen nur zu klar, daß es nun vorbei ist mit jeglichem, was Jerusalem 
groß und bedeutend gemacht hatte. 
Von den siegreichen Römern sind die Tubenbläser nnd die Krieger, 
die den Adler aufrichten, nur die Vorläufer der römischen sKohorten. 
J1n Hintergrunde  gegenüber den am Tempel harrenden Anfiihrern 
der Juden  zieht der römische Feldherr selbst mit seinen Heerschaaren 
heran, umgeben von freudigen Führern und Helden, die alle gewohnt 
sind, die Feinde in den Staub zu treten, von stolzen Banner: und 
Adlerträgern, von finstern Liktoren mit Bündeln und Ketten, den 
Henkersknechten, die nur allzubald ihres Amtes zu walten haben. Jn 
jugendlicher Schönheit und Milde sitzt der Fürst auf seinen1 feurigen 
Rosse, kein blutgieriger.Tyrann, sondern, getreu nach der Überlieferung 
der Geschichte, nur der Vollzieher des von Gott verhängteu Straf: 
gerichtes, beinahe voll Teilnahme und Schmerz über das troftlose 
Schicksal seiner Feinde, ein echter Vertreter der Menschlichkeit, den man 
den .,,GütigenH, ,,das Ergöt;en des menschlichen GeschlechtesE genannt hat. 
Über die zerbrochenen Mauern zieht der mehr als ein halbes Jahr: 
tausend früher von Daniel angekiindigte Heerführer ein, der da kommen, 
dessen Heer die Stadt und das Heiligtum zerstören sollte CDaniel 1X.J,
        

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