Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wilhelm Kaulbach
Person:
Müller, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3410317
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3413404
Clemens 
Breutauo 
München. 
269 
bis Schlotthauer im Februar 1840 sein orthopädisches Jnstitut er: 
richtet hat. Erst da sah sich Brentano zu seiner empfindlichsteu Be: 
kü1nmernis gezwungen, sein Zusannnenwohnen mit den frommen, liebe: 
vollen Leuten aufzugeben. 
Tags über beschäftigte sich Brentano meistens mit seinen Mann: 
skripten, namentlich über die Gesichte der Katharina Emmerich. Die 
Abeude verbrachte er mit Vorliebe im Kreise von Görres, wo Philipps, 
Streber, öfter auch Windischmann und Ringseis, späterhin Arndts, 
ziemlich regelmäßig zusammenkamen als eigentliche Vertreter des an: 
geregtereu katholischen Lebens in München. Außerdem fand er durch 
Vermittelung von Schlotthauer Anschluß an die Gesellschaft ,,Zu den 
drei SchildenU, deren HauptzweE auf eine Hebung der 1uittelalterlichen 
Kunst hinausging. Diesem Kreise gehörten außer Schlotthauer der 
nach1nalige Bischof von Passa11 Doktor Hofstädter, Graf Pocei, ein 
Baron Bernhardt und Hoffstadt, ein begeisterter Anhänger der Gotik, 
zu. Auch Montalembert und mehrere geistreiche Franzosen, die sich 
damals in München aufhielten, nahmen öfter Teil an dieser Gesell: 
schaft. Natürlich gab es auch Anknüpfungspu11kte mit der Kunst: 
akademie. Auf Anlaß der jungen Künstler dichtete Brentano sein 
bekanntes Lied ,,Peter Cornelius statt Prinz Eugenius tzum Lohne 
des ersteren im Tone des letg,terenJ,tt sowie ein anderes für die Aka: 
demiker mit den bezeichnenden Anfangsworten: ,,Wir können nichts, wir 
können alle nichtslH Überhaupt war er, wie der alte Görres einmal 
feiner älteren Schwester schrieb, sehr vergnügt in München. ,,Die 
Stadt ist groß genug für ihn; er sitzt nicht in einem so engen Käfig, 
wo er sich jeden Augenblick mit dem Kopfe anstößt. Bis jetzt ist noch 
alles glücklich abgelaufen, und es hat noch keinen Verdruß gegeben.t 
Mit Kaulbach allerdings sollte es bald genug, trotz gegenseitiger 
warmer Freundschaft, zu einer ernsten Auseinandersehung kommen. 
Dabei erprobte sich Brentanos Selbstkritik, die er einmal von sich 
abgab: ,,Jch bin von Jugend auf und jetzt noch immer zu stürn1isch 
in allem. Jedes Glas Wasser, welches ich einschenke, mache ich zu 
Voll, daß es überläuft.E 
Anfangs war Brentano viel im Kaulbachschen Hause. Er erzählte 
an den dort eingeführten regelmäßigen Samstag:Abenden mancherlei 
wunderbare Geschichten aus seinem Leben, las daselbst seine unge: 
druckten Rheinmärchen vor, die Guido Görres nach seinem Tode in 
Befolgung seines lehten Willens zum besten der Armen herausgegeben 
hat L1846 bei Cottc0, und wußte alle durch das Poetische und Phan: 
tastische seines Wesens in einer Weise anznregen, daß die Maler des 
Kreises zu mannichfaltigen Zeichnungen veranlaßt wurden.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.