Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wilhelm Kaulbach
Person:
Müller, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3410317
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3413338
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Die 
ersten 
Jahre 
Ehe. 
mit dem vom Bruder geschickten Reisegeld, endlich im August in Miin: 
chen ankam, da war auf das Treuste für alles gesorgt, um ihr das 
Leben angenehm zu machen. Die Geschwister sind ihr sogar entgegen: 
gereist. Auch die Freunde des Hauses erwarteten voll Spannung den 
Besuch. Schwind schrieb damals an Schober, Kaulbach sei gesund 1md 
frisch, sie freuten sich auf die Schwester, ,,die der Zeichnung nach schön 
fein sollst. Aus derselben Korrespondenz wissen wir auch, daß Schwind 
und Kaulbach damals die Absicht hatten, ein Album herauszugeben 
nnd schon eine Zusage von Klenze, Olivier, Schnorr, Rottmann, 
Amsler 1md selbst Cornelius besaßen. Das Unternehme11, bei dem 
Kaulbach die Reduktion versprochen hatte, kam aber nicht zur Aus: 
fiihrung. 
Bald darauf, im Herbste desselben Jahres, machte der Künstler 
eine Studienreise in die Berge und ließ seine junge Ehefrau und das 
kleine Töchterlein, ,,die liebe Finesl, die zum großen Leidwesen der 
Eltern kränkelte, auf einige Zeit allein. Er be11nt;te die ländliche Muße, 
die er im Verein mit mehreren andern Künstlern, worunter sich Morgen: 
stern und Fuhr befanden, in Königsdorf bei Tölz znbrachte, zu fleißigen 
Arbeiten, konnte auch bald von fünf fertigen Skizzen zum Faust Meldung 
geben und hätte nach seiner Versicherung mehr vollenden können, wenn 
ihn nicht die schöne Gegend zu sehr abzöge. Er begann Studien in 
der freien Natur zu machen 1md fand dabei einen kleinen Gesellschafter, 
der ihn1 seinen Stuhl und andre Gerätschaften hin nnd her trug, einen 
sehr netten Bauernburschen, ,,der sehr viel Talent hakt, der ihn sogar 
porträtiert nnd dessen Arbeit, ein ,,sehr ähnliches BildnisH, er der Hans: 
frau einschickte. Über seinen Aufenthalt giebt nachfolgender Brief vom 
1. September 1834 eine anschauliche Schilderung: ,,Die Tage, die ich 
hier verlebt habe, brachte ich sehr fleißig zu.  Sehr früh stehe ich zwar 
nicht auf, weil es die Nähe des Gebirges morgens sehr kühl macht. 
Da ich aber den ganzen Tag im Freien und der frischen, schönen Natur 
znbringe, so hole ich die verschlafene Zeit bald wieder ein. Mein Leben 
ist hier sehr einfach und mit ein paar Worten geschildert. Wenn ich 
mich nämlich morgens früh von meinem Lager erhoben, wo ich die 
Nacht unter dicken, schweren Jsederbetten geruht habe, vergleichbar mit 
einer Schildkröte in ihrem dicken, schweren Gehäuse sguter Witz, hu, 
ha, has, schliirfe ich zuerst meinen sehr guten Kaffee, esse dazu ein köst: 
liches frisches Butterbrod, sodann zünde ich meine wohlgestopfte Pfeife 
an nnd begrüße den schönen Morgen mit einer dicken Wolke Tabaks2 
ranch, nehme mein Zeichengerät unter den Arm und trete meine Wall: 
fahrt zu unserm Künstlerparnaß an, wo sich denn auch bald meine 
Muse einfindet 1md mir manchen guten Rat an die Hand giebt, zu
        

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