Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wilhelm Kaulbach
Person:
Müller, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3410317
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3413306
7. p.vsosspuk. 
Als Paganini in München spielte, saß Kaulbach im Konzert neben dem 
Maler Monten. Alle  so berichtet er  waren natürlich sehr ge: 
spannt aus den großen Mann und horchten schon, bevor sie ihn sahen. 
Endlich erschien Paganini. Er schlich einher mit langen Armen nnd 
Beinen, die er durchaus nicht zu behandeln wußte und brauchte lange, 
bis er sich an die Rampe geschoben hatte. Er bewegte sich wie eine 
Spinne, und seine Geige schien sich eben so unbehaglich zu fühlen. Die 
Haare hingen ihm vors Gesicht. Die Augen waren nur dunkle Höhlen. 
Die Kleider baumelten an ihm, als ob sie sich selbst tragen 1nüßteu. 
,,Wie ein Waschlappen stand er da.H Endlich fand er Ruhe, legte die 
Geige ans Kinn, den Kopf ganz auf die Seite und begann zu spielen. 
Das war aber so herrlich, daß nach wenig Takten alles in Thränen 
zerfloß. Auch Kaulbach weinte, und selbst 5Monten, der sich zuerst nor 
Lachen die Seiten gehalten hatte, leistete ihm Gesellschaft. Pagauini 
spielte ruhig, ganz ruhig fort, als wenn er nicht ahnte, wie er alles 
entzückte, er wußte es auch wahrscheinlich nicht.  das war ein 
GenieH, so setzte Kaulbach hinzu. 
Sobald die jungen Eheleute wieder in München waren, leider noch 
immer nicht in der besten Gesundheit, richteten sie ihren kleinen Hans: 
halt in möglichster Behaglichkeit ein. Aber auch der fernen Lieben wurde 
nicht vergessen. Sie gehörten hinfort in erster Linie zur Sorge der 
neuen Familienwirtschast. Beide dachten zunächst in treuer Kindespslicht 
sehr ernstlich an eine regelmäßige Verbesserung der Verhältnisse in 
Mülhein1. Der gute Sohn setzte einen namhaften vierteljährlichen Be: 
trag für Vater und Mmtter aus, der später mehrfach gesteigert worden 
ist. Er fragte an, womit man dem Vater außerdem eine rechte Freude 
machen könnte, und war gerührt, als dieser statt allem andern das Bild 
seiner Schwiegertochter erwünschte und als auch die Mutter sich gar 
zu bescheiden in ihren Ansprüchen zeigte. Das Nehmen war den guten 
Leuten daheim durchaus nicht leicht. Häufig gab der alte Mann kund, 
wie empsindlich es ihm sei, daß die ENünchener für aller Unterhalt 
sorgten, und sein größter Kummer war es, daß er kein Ende voraus 
sah. Aber er konnte ja selbst nicht helfen, er war häufig krank, so 
daß man schon damals mehrfach auf das Schlimmste gefaßt war. Jn: 
zwischen war Schwester Karoline am .29. September 1883 eines ge: 
sunden Töchterchens genesen, dessen Patin Wilhelms junge Frau aus der 
Ferne sein mußte, und Schwester Josesine bereitete sich nor, im Früh: 
jahr 1834 nach München zu reisen, da sie von dort aus dringend ein, 
geladen war, um ihre trübe und düstere Stimmung zu vertreiben und 
die Schwägerin endlich kennen zu lernen. Bruder Karl kam sie denn 
auch im nächsten Jahre holen. Er wurde von Wilhelm in die Heimat
        

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