Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wilhelm Kaulbach
Person:
Müller, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3410317
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3412438
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Die 
ersten 
Münchener 
Eindrücke 
und 
Arbeiten. 
Römern. Das mittlere oersinnlicht den Triumph des Cheruskerfürstc1i, 
der, auf weißem Roß heransprengend, den sich selbst entleibenden VarnLJs 
findet. Auf der dritten Wand wird uns, wieder in drei Abteilungen, 
die Heimkehr nnd der Empfang des Siegers erzählt. Gefangene werden 
herbeigeführt, Frau und Kind begrüßen den siegreichen Gatten nnd 
Vater, zwei ehrwürdige Barden huldigen dem Erretter des Vater: 
landes mit feierlichem Gesang. Zum Schluß wird in den drei Feldern 
der Fensterwand Hermanns Tod gemeldet. Wir sehen erstlich, wie 
drei mißgünstige Fürsten sein Los um Leben Und Tod aus der 1lrne 
ziehen, zum zweiten, wie der edle Held, mit dem Mordspeer in der Brust, 
bei seinen Waffen daliegt, und endlich, wie er beklagt und bejammert 
wird. Alles das ist schlicht und niaßvoll vorgetragen, schön nnd er: 
greifend in der Wirkung, klar nnd übersichtlich in der Komposition, wie 
es den meisten früheren Arbeiten des Meisters eigen war, bevor er an 
feine komplizierte, zusam1nenfassende Schilderung von ganzen weit: 
geschichtlichen Epochen herantrat. Die Arbeit Kaulbachs im Klopstocf: 
saal war am Karfreitag 1833 fertig geworden, und Schwind schrieb 
darüber, sein Saal sei ,,ganz vorzüglich, obwohl die verzweifelte He: 
trustik und Enkaustik der Sache etwas schadeten.H 
Der an den Thronfaal stoßende Saal der Königin, in ponuoe: 
janischem Geschmacke, wurde mit Darstellungen zu Wielands Gedichten 
geschmückt. Während der Fries in ununterbroihener Reihe Szenen aus 
dem Oberon von Eugen Neureuther in enkaustischer Manier vorführt, 
zeigen die Wände Vier Bilder aus dem Musarion und zwei aus den 
Grazien. Die Entwürfe hierzu rühren von Kaulbach her  die Zenit: 
nungen sind noch vorhanden  und die Ausführung erhielt Ernst 
Förster übertragen. Die Bilder veranfchaulichen deutlich des Dichters 
hervorstechendste Eigenheiten, Laune und Ironie, Sinnlichkeit nnd 
Anmut. Aber sie gehen doch über die Wielandsche Auffassung, die 
immer in seiner Zeit stecken blieb, hinaus und nähern sich bei weitem 
mehr dem antiken Geiste. Jm ersten Gemälde, die Fenster zur Linken, 
sieht man Fanias, Musarions Geliebten, der Liebe entsagen. Nach: 
denklich sitzt er in der Einsamkeit beim Krug Wasser. Er ist von der 
Absicht erfüllt, ein Philosoph zu werden. Amoretten zerbrechen den 
Bogen Amors nnd verschütten die Pfeile, aus Trauer über den töriihten 
Entschluß. An der zweiten Wand wird uns gezeigt, wie Fanias sich 
aus den Armen Mnsarions windet, die ihm in die Wüste gefolgt ist 
und den Lebensmüden znrückgewinnen möchte. Schalkhaft gewähren 
ihr die Liebesgötter ihren Beistand, von denen einer den störrisihen 
Griibler mit Blumen festhalten will, nnd ihr Erfolg kann kaum zweisel: 
haft sein. Die dritte Wand enthält die Vereinigung der Liebenden, die
        

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