Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wilhelm Kaulbach
Person:
Müller, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3410317
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3412377
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Die 
ersten 
Münchener 
Eindrücke 
nnd 
Arbeiten. 
Stimme getreu, die Ohren zu, um deren Bitte nicht zu erfüllen. Dass 
dreizehnte Bild dann erzählt uns die Erfüllung der vorlehten, Prüfung. 
Psyche erhält von Jupiters königliihem Vogel mitleidig den Krug mit 
Wasser aus der Quelle des Cvcytos gefüllt, den sie der beleidigten 
Göttin bringen soll. Merkwürdigerweise sind die beiden letzten Bilder 
in der Reihe vertauscht worden. Um dem Gange der Erzählung zu 
entsprechen, müßte die Nummer dreizehn vor zwölf stehen. 
Jn den letzten Bildern über dem Balkon der vierten Wand werden 
Pshrhes Erlebnisse im Orkus zunächst fortgesetzt. Dass gequälte Menschen: 
kind, jetzt wieder in grünem Gewande, mit ängstliche1n Ausdruck nnd 
langen flatternden Locken, kommt am dreiköpfigen Höllenhunde vorbei, 
dem sie das erste der .Honigbrode zu schlucken gegeben hat, wie die 
geheimnisvolle, wohl1neinende Stim1ne sie geheißen. Unter dem linken 
Arme hält sie die Büchse, in der sie von der unterirdischen Schönheit 
holen uius3. Recht bezeichnend für Kaulbaihs schalkhafte Auffassung ist 
das vorletzte Bild, dessen Stoff er sich nicht entgehen lassen wollte, ob: 
wohl er ihn gut hätte entbehren können. Psyche hat, kaum errettet aus 
den Schaudern und Schrecken des Orkus, gegen den wohlwolleuden 
Rat die Büchse geöffnet, um selbst auch ein klein wenig Von der ver: 
borgenen Schönheit für sich zu nehmen. Aber für sie sollte nichts von 
Schönheit darin sein. Wiederum wird ihre Neugier bestraft. Unhei1n: 
liihe Rauchwolken entsteigen dem Gefäße. Ein unterirdischer, wahrhaft 
sthgischer Schlaf bewältigt ihre Glieder. Sie ist in tiefe Betäubung 
gesunken, die nur durch himmlische Kunst verscheucht werden kann. Die 
Erweckung wird denn auch glücklicherweise auf dem Schlußbilde voll: 
zogen. Amors Wunde war indessen geheilt. Voll Sehnsucht nach der 
Geliebten ist er durch das enge Fenster des Zi1nmersJ entschlüpft, darinnen 
er bewacht wurde. Auf eiligen Fittigen ist.er zur schlafenden hin: 
geflogen, hat sie mit sanftem Stich seines Pfeiless vom lastenden 
Schlunimer befreit und führt nun das treuliebende Weib in zärtlichster 
Un1ar1nung auf den Wolken dahin, um vor versa1nnieltem Götterkreid3 
dc1sHochzeitsfest zu feiern. Psyche, bräutlich weiß gekleidet, streiihelt 
ihm mit der Linken die Wange und küßt ihn auf das herzlichste. 
Damit schließt das anmutige Märchen bei Kaulbach, während hier 
gerade Raffael mit uniibertrefflichen Sihilderungen fortsei3t. Bei ihm 
kommt nun die berühmte Seene, in der Amor zuversichtlich vom grauen 
nnd doch blühenden König des Olympos Gnade und Aufnahme für 
Pfyche erbittet und erhält. Dann folgen die sigurenreichen Kompositionen 
der Vorstellung des ebenbürtig erhobenen Erdeukindes im Kreise der 
Himmlischen, sowie des genußfrohen Hochzeiti3n1ahles der Götter nnd 
Göttinnen, wobei Raffael das einemal auf eigene Erfindung angewiesen
        

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