Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wilhelm Kaulbach
Person:
Müller, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3410317
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3412364
Amor 
und 
Ps11che. 
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Thron des Olympos gebracht werden soll. Der Preis für den Finder 
ist oerlockend genug. Wer die flüchtige Magd anhält oder ihren Auf: 
enthält verrät, der soll von Venus selbst sieben süße Küsse erhalten. 
Die drei folgenden Bilder über dem Balkou der einen Kurzwand 
schildern hierauf den trostlosen Jammer der vereinsamten Psyche, die 
Tag und Nacht nmherschweift und dem verlorenen Ehegemahl nach: 
spürt. Auf dem ersten sehen wir sie hilfesuchend und mit flehend empor: 
gestreckten Händen durch den Weltenraum eilen. Auf dem zweiten bittet 
sie zu CeresTs, die sie aber, auf goldner Feldfrucht thronend, mit deutlicher 
Geberde abweist, eine Komposition, von der seit 1886 eine nicht allzu: 
glückliche Federzeichnung in der Nationalgalerie zu Berlin aufbewahrt 
wird. Auf dem dritten schickt Juno, stolz an ihren Pfau gelehnt, die 
1Inselige weiter. Niemand will sich ihrer erbarmen. Ihr Vergehen 
fordert die gebührende Strafe. Und so stellen denn die folgenden Vier 
.Gemälde über den Fenstern der Straßenseite die Rache der Schönheits: 
göttin dar. Weinend kniet Pshche  jeHt im blauen Gewande  oor 
der rosenbekränzten Venus. Diese hat von der schwat;haften Möwe 
die schmerzliche Verletzung ihres Sohnes durch die Nebenbuhlerin er: 
fahren. Als rechte Aristokratin will sie von der niedrig geborenen 
Schwiegertochter nichts wissen, oerspürt auch  wie es bei ApulejnsFs 
heißt  keine Lust, in der Blüte ihres Alters schon zur Großmutter 
gemacht zu werden, und wehrt nun zornig und eifersüchtig alles herz: 
liche Flehen des unglücklichen Kindes: durch schelten ab. Aber auch 
der lockere Wildfang geht nicht leer aus. Der weinende Amor  ein 
beklagenswerter Zustand für den jungoerheirateten  bekommt zur 
Strafe im Gemach der beleidigten Mutter die Federn seiner Flügel 
geschnitten, die sie ihm sonst auf duftendem Schoße mit Nektar be: 
träufelte. Psyche aber geht daran, die unerfüllbar scheinenden Aufträge 
für Frau Venus zu erfüllen, wenigstens zu versuchen. Die erste Prü: 
fung, die mühsame Scheidung der vermischten Samenkörner, bei der ihr 
die mitleidigen Ameisen behilflich sind, übergeht der Künstler, ebenso die 
zweite, wonach Psyche einen Schoß voll weichen Vließes der gold: 
glänzenden Schafe bringen muß, die um die Mittagszeit in gräßlicher 
Wut jeden mit spitzem Horn, mit harter Stirn und giftigem Biß be: 
drohen.  begnügt sich mit der Vorführung der beiden letzten und 
schlimmsten Aufgaben der rachsüchtigen Göttin. Auf dem nächsten Bilde 
soll Psyche hinunter zum Orkus, um von Proserpina etwas von ihrer 
Schönheit zu erbitten, wo1uit Venus sich für das Göttertheater schnaufen 
will. Sie kommt an der spinnenden Parze  auch hier vereinfacht 
der Künstler die alten Weiber in eines  vorbei, die sie um Hilfe bei 
ihrer Arbeit bitter, hält sich aber, dem Rate einer geheimnisoollen
        

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