Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Renaissance im Norden und die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts
Person:
Springer, Anton Springer, Jaro
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3405034
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3406253
Kunst 
nordische 
Jahrhundert. 
Jahrhundert. 
den Schrecken des Todes und der Hölle, durch die Einöde reitendeu Ritter  den Ritter 
trotz, Tod und Teufel  darstellt, griff er gleichfalls ans ältere Studien eines wohlproportio: 
nierten Reiters zurück. 
In seinen Schriften steht Dürer beinahe vollständig auf dem Boden der Renaissanee. 
Die Richtigkeit u11d Schönheit der Maßverhältnisse bildet bekanntlich einen Mittelpunkt auch 
ihrer künstlerischeu Anschauungen. Dagegen hnldigt er in seinen künstlerischen Schöpfungeu 
nicht unbedingt und namentlich nicht rasch dem Geiste der Renaissance, mochte er auch früh: 
zeitig antike Bauformen als Dekoration verwenden. Persönliche Neigungen, heimische Ueber: 
lieserungen ließen ihn die längste Zeit eigene Wege wandeln, die nichts mehr mit der mittel: 
alterlichen Kunstweise gemein haben, aber auch von der in Jtalien gegründeten Reuaissance 
sich entfernt halten. Jn der Anordnung der Gewänder hat er Mühe, das knittrige Gefälte auf: 
zugeben. Die blos; äußerlich treue nnd wahre Wiedergabe der natürlichen Thpen genügt ihm 
nicht. Dazu sollten ihm die Studien über die menschlichen Proportionen dienen: sein Auge 
von dem äußeren Zwange zu befreien, seine Phantasie im Wetteifer mit der gefeHlich schaffenden 
Natur zu stärken. Die Studien wiesen nach Jtalien, die Nuhanwendung war deutscher Art. 
Er erhob die Gestalten nicht, wie die gleichzeitigeu Jtaliener, zu idealer Allgemeingültigkeit, 
sondern steigerte das Charakteristische nnd schärfte den besonderen Ausdruck. Jngendliche 
Frauenköpse und Kindergestalten, welche einer solchen Steigerung nicht zugängig sind, gelingen 
ihm daher weniger gut als die Bilder gereifter, vom Schicksale gezeichneter Menschen mit 
markierten Zügen nnd von kräftig ausgearbeitetem Gepräge. 
Die größte Sorgfalt verwendet Dürer auf den Farbenanftrag. Eine ben1uudernngswür: 
dige Feinmalerei erblicken wir in vielen seiner Ge1nälde; aber nicht immer weiß er die an sich 
kräftigen Töne harmonisch zu stimmen, die Härten zu vermeiden. Nur in zwei Abschnitten 
seines Lebens, nach der venezianischen Reise C1506J nnd am Abend seines Lebens, wo er selbst 
freimütig bekannte, daß er als Jüngling die bunten Bilder, die ungeheuerlichen und absonder: 
lichen Gestalten viel zu sehr geliebt, erreicht er auch in seinen Gemälden hohe Vollendung. 
Besasz Dürer nicht von Natur einen so reichen Farbensinn wie manche seiner Zeitgenossen, so 
überragt er sie dafür durchgängig durch seine feine Empfindung für landschaftliche Schönheit. 
Klar bauen sich seine .L7intergründe auf, in Duft sind seine Ferusichten gehüllt, Licht u11d Schatten, 
dämmeriges Halbdunkel wechseln n1irknngsvoll ab. 
Vollends unvergleichlich erscheint Dürers Erfindungsgabe. Der Phantasie keines anderen 
Künstlers seiner Zeit entströmt eine solche Fülle selbständiger Gedanken, keiner gebietet über 
einen so mächtigen Reichtum entsprechender Formen. Wenn man von einzelnen Darstellnngen 
aus seiner Jugend absieht, sind fast alle Kompositionen sein persönliches Eigentum. Geradezu 
unerschöpflich ist er im Erfiuden. Selbst wenn er denselben Gegenstand mehr1nals behandelt, 
weiß er ihm doch immer neue Seiten abzugewinnen. Und seine Schöpserkraft bewährt sich 
ebenso gut, wenn er einzelne Gestalten, Charaktersiguren zeichnet, wie wenn er idhllische Szenen 
ansn1alt oder dran1atische Ereignisse voll Pathos und leidenschaftlichen Lebens schildert. Diese 
Seite seines Geistes fchähten schon die Zeitgenossen in vollem Maße nnd borgten fleißig von 
seinem Reichtum. Aus diesem Grunde besitzen auch Dürers Zeichnungen eine so hervorragende 
Bedeutung im Kreise seiner Werke. Sie sind die unmittelbarsten Aeußerungen seiner Phantasie, 
geben seine Konzeptionen am treuesten wieder und zeigen seine erfinderische Kraft in ihrer 
ganzen Fülle. Die Sorgfalt, mit welcher Dürer viele vo11 seinen Zeichnungen aussührte, läßt 
keinen Zweifel darüber, daß er sie seinen anderen Schöpfuugen durchaus ebenbürtig erachtete. 
Nur wer Dürers Zeichnnngen und in zweiter Linie seine Kupferstiche nnd Holzschnitte genau 
kennt, darf sich rühmen, sein künstlerisches Wesen ganz begriffen zu haben.
        

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