Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Renaissance im Norden und die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts
Person:
Springer, Anton Springer, Jaro
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3405034
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3405534
nordiscJE 
Kunst im 
Jahrhundert. 
Hauptgewerbe trieben. Aber auch wenn die Namen sich erhalten hätten, würden wir einen 
Aufschluß über die Persönlichkeiten der Stecher nicht empfangen. Noch waltet eine gleichmäßige 
Auffassung der Dinge vor, noch wagt sich die besondere Empfindungsweise der Künstler nicht 
ungehindert an den offenen Tag. Sind wir doch gar nicht sicher, ob die Stecher in der Regel 
die Blätter selbst erfauden. Es ist bezeichnend, daß schon früh ein Stecher den anderen ko: 
pierte. Wir sind, da die Formenfprache gleichfalls eine Verwandte ist, wesentlich nur auf die 
feinen technischen Unterschiede angewiesen, um die Stiche zu ordnen nnd ihre Herkunft zu er: 
raten. Um das eine oder das andere Hauptblatt gruppieren wir die technisch verwandten Stiche 
nnd sondern auf diese Art den Meister der Spielkarten von dem des h. Erasmns nnd dem 
der Liebesgärten; oder wir heben ein änßeres Wahrzeichen, das sich auf einzelnen Blättern 
vorfindet, hervor nnd sprechen von einem Meister mit den Bandrollen. Oder wir halten 
uns endlich an die Monogramme, mit welchen einzelne Stecher ihre Stiche bezeichneten, ähu: 
lich wie die Goldschmiede ihre Werke mit Marken versahen. 
Unter den Monogrammisten, welchen bald nach der Mitte des 15. Jahrhunderts ihre 
Thätigkeit übten, steht der Meister E. S., um das Jahr 1466 blühend, in erster Reihe. Er 
entwickelt nicht allein eine große Fruchtbarkeit und in den Gegenständen der Darstellung eine 
überraschende Vielseitigkeit, sondern zeigt sich auch in dem technischen Verfahren wohl geschnlt. 
Führt er auch den Grabstichel in der alten feinen Weise der Goldfchmiede, so weiß er doch 
namentlich in Blumen, Ranken, Tieren die Striche kräftig nnd tief zu ziehen. Fehlt es auch 
der Zeichnung, den Maßen häufig an Richtigkeit, erscheinen die Arme zu schmal, die Finger 
zu dünn, die Köpfe zu groß, so offenbaren doch die Figuren eine lebendige Bewegung, die Ge: 
sichter einen ausdrucksvollen Charakter CFig. 4 n. 5J. Einzelne seiner Blätter, wie, außer dem 
s2Kartenspielecc und der ::Patenacc, insbesondere pdie Anbetung der Königec:, pdas Urteil Sa: 
lomonisc, vder,Löwentöter Sinisoncc, haben keineswegs nur ein historisches Interesse. Der 
Meister E. S. gehört aller Wahrscheinlichkeit nach dem Mittelrhein CMainzPJ an. Andere Stecher 
werden aus stilistischen Gründen dem Niederrhein, Nürnberg u. s. w. zugeschrieben. Auch in den 
Niederlanden erfreute sich die Kupferstichkunst einer eifrigen Pflege. Eine neue Epoche trat für 
sie ein, als sich mit den siebziger Jahren namhafte Künstler, gleichzeitig Maler und Stecher 
von Beruf, ihr zuwandten, und so zwischen den Schöpfungen der Malerei nnd den Werken 
des Grabstichels eine feste Brücke geschlagen wurde. 
Während sich die Phantasie im Holzschnitte nnd Kupferstiche eine neue Kunstgattung er: 
oberte, hat auch die Kunst der Malerei tiefeingreifende Wandlungen erfahren. Das Tafelbild 
gewinnt von Geschlecht zu Geschlecht immerimehr an Bedeutung und nimmt die künstlerische 
Kraft immer a11sschließlicher in Anspruch. Der Aufschwung der Tafelmalerei hängt mit der 
Umwandlung der AltarauffäHe in Altarschreine und Flügelaltäre zusammen. Zum Schmucke der 
Altäre verbanden sich gewöhnlich die HolzschniHer mit den Tafelmalern. Während jene den 
Mittelschrein mit einem Reliefbilde füllten oder Rundfignren in ihm aufstellten, blieben diesen 
die Flügel oder Thüren überlassen. Die Aufgabe bedingte eine größere Zahl von Darstellungen; 
die ganze Pafsionsgeschichte, das Leben Marias oder die Hauptszenen aus dem Leben Jesn 
werden in kleinem Maßstabe auf zahlreichen Feldern dem Auge vorgefiihrt. Neben den Altären 
kamen allmählich auch selbständige Tafelbilder LVotivbilderJ in Gebrauch; doch überwiegen in 
der ältesten Zeit, bis tief in das 15. Jahrhundert, an Zahl wie an Bedeutung entschieden 
die Altäre. 
Schon im Laufe des 14. Jahrhunderts kündigt sich in einzelnen leiser: Zügen die neue 
Richtung, das Streben nach größerer Na.türlichkeit, an. Die Trachten, die Bauten des Hinter: 
grundes nähern sich der Gegenwart; an der Wiedergabe der Ncbendinge merkt man die genauere
        

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