Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Renaissance im Norden und die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts
Person:
Springer, Anton Springer, Jaro
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3405034
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3406419
nordische 
Kunst 
Jahrhundert. 
Dass 
JI1hkhundert. 
und bei seiner tiefen religiösen Empfindung konnte er davon nicht unberührt bleiben. Schon in 
den Niederlanden hatte ihn die CfalscheJ Nachricht von Lnthers Gefangennahme mächtig aufgeregt. 
Als echter Künstler faßte er sein Glaubensbekenntnis in einer künstlerischen Schöpfung zusammen. 
Er verehrte dem Rate Nürnbergs 1526 eine Doppeltafel, auf welcher er die Apostel Johannes 
mit Petrus und Paulus mit Markns LFig. 98 U. 94J gemalt hatte. Johannes und Paulus sind 
die Hauptgestalten. Während Johannes Ein rotem MantelJ sinnend in das geöffnete Buch blickt 
das er in den Händen hält, hat Paulus Lin weißem Gewande; das Buch geschlossen, faßt mit 
starker Hand das Schwert und blickt zornmiitig aus dem Bilde heraus. Prüfung der Wahr: 
heit und ihre mannhafte Verteidigung  daraufhin sind offenbar der Charakter und die Züge 
der Apostel gerichtet; aus diesem Grundgedanken hat Dürer die beiden Hauptgestalten geschaffen. 
Jn Bibelstellen, welche Dürer eigenhändig unter die Gestalten aus die Tafeln geschrieben Csie 
sind von den Originaltafeln in München abgenommen und an die Kopien in Nürnberg befestigt 
wordenJ, sprach er seine Absicht noch deutlicher aus. 
So sind die vier Apostel, wohl auch die vier Ten1peramente genannt, ein kostbares Denk: 
mal der religiösen Stimmung des Meisters, zugleich aber ein lebendiges Zeugnis der siegreichen 
Ueberwindung aller früheren formellen Schranken seiner Kunst. Die feine, bis in das kleinste 
sorgfältige Ausführung ist.geblieben, aber ein plastisches Element in der Modelliernng der 
Gewänder durch Abstufung der Farben hinzugekommen. Auch das Markige 11nd Kernhafte in 
der Auffassung der Köpfe erscheint noch reiner und wirkungsvoller hervorgehoben, wie sich schon 
ans der populären Bezeichnung der Apostel als ::Temperamenteis ergiebt. Die gleiche Gediegeu: 
heit, den gleichen Farbenschmelz zeigen auch die beiden aus seinen letzten Jahren stammenden 
Bildnisfe im Berliner Museum, das des urges11nden Hieronymus Holzschnher, welches durch 
die frische Natur des Dargestellten gewinnt CFig. 95J, nnd das andere des Jakob Muffel, dessen 
nialerische Durchführung trotz des weniger fesselnden Modelles noch höher steht. Charakter: 
figuren nnd Bildnisse entsprachen der Richtung, welche Dijrers Phantasie in seinen letzten Jahren 
genommen hatte, am besten. Ihre Wiedergabe beschäftigt nicht allein den Maler, sondern auch 
den Zeichner CPorträt des Lord Morley bei Mitchell in London; nnd Kupferstecher CBi1dnisse 
des Kardinals von Mainz, des Kurfiirsten Friedrich von Sachsen, Melanchthons 11nd Erasmns7 
von RotterdamJ. Dürer starb 1528 am 6. April, an demselben Jahrestage wie Raffael, in 
seinem siebenundfünfzigsteu Jahre, nachdem er schon längere Zeit von Kränklichkeit heimgesucht 
worden war. 
Die abschließende Betrachtung darf nicht bei dem bloßen Staunen über Diirers künst: 
lerische Fruchtbarkeit verweilen. Diese ist gewaltig groß. Von den Tafelbildern abgesehen, 
zählt das Verzeichnis seiner Werke 194 sIupferstiche, über 170 Holzschnitte nnd mehrere hun: 
dert Zeichnungen auf, unter diesen viele, die, mit der größten Sorgfalt, nicht anders wie 
Malereieu, behandelt, wahre Proben des geduldigen Fleißes vorstellen, z. B. die Apostelköpfe 
CStudien zu dem Allerheiligenbilde, Fig. 96J, das Doppeltäfelchen mit Simson und Christi 
Auferstehung, die kolorierten Pflanzen: und Tierzeichnungen. Viel wunderbarer als Diirerss 
Fruchtbarkeit ist der Reichtum seiner inneren Entwickelung. In jungen Jahren trat er Jta: 
lienern wie Mantegna und Barbari nahe, selbst von antiken Werken nahm er Kenntnis. Ja 
seinen großen Holzschnittfolgen versenkte er sich dann in die überlieferte heimische Kunst: 
weise. Hier wie dort bewahrt er seine volle Selbständigkeit. Er wird weder zu einem 
Manieristen, noch begnügt er sich damit, die bekannten Typen der Passionsspiele, wie die 
meisten anderen Maler und Holzschnitzer, einfach in die Bildform zu übertragen. Die eifrige 
Umschan in der äußeren Naturwelt hemmte nicht die Einkehr in das eigene, tief bewegte und 
poetisch gestimmte Gemüt, dessen Widerschein sich in mehreren phantasievollen Kupferstichen
        

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