Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der modernen französischen Malerei seit 1789
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3386212
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3395071
Marilhat. 
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nnd in die Weite ergossenes Licht, der flimmernde Glanz des Siidens zu 
feinem Maß gemildert nnd die ganze Natur wie. getränkt davon. Daher 
schildert er nicht nur die Stim1nnng des heißen Mittags, sondern ebenso 
gern die kühle Morgendämmerung und das sanfte Zwielicht des Abends. 
Ueberhanpt spricht sieh in seiner Darstellung keine iibennächtige Individuen 
lität aus, welche auch ans einer stillen Natur die Gährung einer tief ers 
regten Phantasie hervorblitzen ließe. Ihm war diese Eigenschaft der Ron1ans 
tiler fremd, und an ihre Stelle trat jene te1nperirte Kraft, jene harmonische 
Hingabe an die Realität,, die den vermittelnden Talenten eigen ist. Darum 
zog es .ihn auch nicht zu den diisteren schroff erhabenen Seiten der 
Natur, zu energischen Formen von wilder und einsamer Größe. Auch 
im Gegenstande suchte er nach einem ruhigen Ebenmaß,s gleichsam nach 
einer heiteren nnd glücklichen Grnudstin1n1nng, die durch die ernste nnd 
etwas schtvermiithige Stille des Morgenlandes noch durchklänge.i Er 
selber hatte kein energisch dnrchgreifendeei Wesen, keine starken aber eins 
seitigen Eigenschaften, tvelche der Persönlichkeit einen besonderen Accent 
geben; sein Charakter war wie sein Talent eine milde Mischnng ver: 
schiedener und zusamn1ensti1nn1ender Kräfte. Das Jdeale am Menschen wie 
am Künstler war eben dieser Einklang, der überall den heiterm nnd lichten 
Grundton fand. .  
Gleich die ersten Bilder, welche Marilhat nach seiner Rückkehr in den 
Salon von 1834 brachte, zumal ,,der Platz von Esbekich in Cairos, erregi 
ten großessAussehen. Deca1nps hatte kurz vorher die Natur Kleinasiens, 
von der man bislang nur eine mährchenhaste Vorstellung gehabt, in ihrer 
Realität erschlossen; nun brachte Marilhat Stadt nnd Land von Aegypten 
in seiner dem europäischen Auge ungewohnten Lichtsiille. Doch haben die 
Bilder aus dieser ersten Zeit noch nicht den milden nnd goldenen Ton, 
der die späteren auszeichnet; sie zeigen eine in7s Röthliche spielende zu 
heftige Glnth, außerdem ein gewaltsames Jmpasto, das an die Nomantiker 
erinnert. Noch suchte der Maler nnd war erst auf demWege das Stich; 
tige zu finden. Woraus er sich indeß schon damals verstand, das war die 
schöne Wahl und Grnppirnngs der Linien, die Wolordnnng ohne prunlenden 
For1nenanfwand, die Sicherheit der Zeichnung in der Vegetation, den Erd: 
1nassen und der Architektur, endlich die Harmonie klangreicher Lokalfarben 
in warmem Lichte. Und zwar in gleichem Maße in den Landschaften aus 
dem Orient wie in denen ans der Anvergne nnd,der Provence Cz. B. Rennen 
von Balbeck, Ernte in der Provence, Brücke des GardJs Er ging dann
        

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