Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der modernen französischen Malerei seit 1789
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3386212
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3395014
Lapito. 
Prie11r. 
Bellel. 
Lecointe. 
Die 1leberIegenheit Rottmann6. 
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festigen die Oberfläche der Natur zu einem idealen Kleid oder vielmehr sies 
hauen sie plastisch in Stein aus, der natürlich von keinem Lustzng bewegt 
wird und eine todte kalte Hülle an die Stelle des lebendigen Leibes setzt. 
Auch jene Versuche durch Hereinnehn1en der naturalistischen Weise die klas: 
sische zu erneuern nnd tiefer zu beleben, sind mißlungen; tdenn sie haben 
vor Allem versäumt die schöne Form durch die erwärmende Vermcihlung 
mit dem elementaren Leben in den 1nalerischeu Schein zu erheben. Bis zu 
einem gewissen Grade läßt das auch jene Natur zu, deren Hanptreiz im 
Adel der Gestaltung, in der organischen Schönheit des Erdbans liegt, und 
wir werden bei der tieferen Vermittlung der Gegensätze ans einen Meister 
treffen, der das vermocht hat. Jus Ganzen aber scheinen die modernen 
Franzosen für die einfache und rhythmisch bewegte Formeugröße, für das 
harmonische Maß der italienischen und griechischen Natur den feinen Sinn 
nicht zu haben, womit sie die gliihendere Pracht des Orients nnd das bei 
fcheidenere Stimtnnngsleben ihrer heimathlichen Gegenden zu veranschaulichen 
wissen. Sie haben keinen Künstler, der auch nur entfernt unserm Rotts 
mann gleich käme. Freilich ist in diesem eine Genialität der Gestaltung, 
die im 19. Jahrhundert fast einzig dasteht. Selbst die Poussins3bleiben 
hinter feiner großen objektiven Anschauung zurück. Denn diese entdeckt den 
wahrhaft klassischen Zug nnd Schwung des Südens, feine gliedernde for: 
menbildende Kraft aus ihm selber und findet dafür den treffenden Ausdruck 
sowolt im Wortlaut der natnrwahren und doch mit freier breiter Hand 
wiedergeschaffenen Linien als in dem lichten und fein gestinnnten Kolorit.
        

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