Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der modernen französischen Malerei seit 1789
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3386212
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3394908
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V1I. 
Buch. 
Kt1Ps 
Thierftiick. 
Das 
eine neue Natur; insbesondere aber scheint ihm durch die nähere Bekannt: 
schaft mit den Bildern von Rembrandt nnd Albert Cnhp der Zauber ent: 
schieden dnrchgefiihrter Lichtwirkungen, aufgegangen zu sein. Wol möglich, 
daß ihn Cuhp überhaupt angeregt hat, nun in seine Landschaften Thiere zu 
setzen. Wenigstens mag ihm, trotz aller Verschiedenheit, dessen Art, das 
Thier in gesättigtem Ton von dustigen Wiesen und Lüften abzuheben und 
iiber Figuren nnd Landschast ein volles Licht anszugießen, bei seinen eigenen 
Arbeiten vorgeschwebt haben. Schon seine ,,MiihleE im Salon von 18i19 
zeigte, daß er nun in der Einheit einer stark ausgesprochenen Lichtstimncung 
das eigentlich Malerische gesunden. Früher.Morgen ist in dem Bilde und 
die blasse Sonne kämpft noch mühsam gegen seine Nebel; dagegen steht 
dunkel die Mühle mit ihren Windflügeln. Noch ist indeß in einem Wald: 
bilde von t851 das Jmpasto in den lichten Stellen iibertrieben.. 
Ein Aufenthalt in der Normandie war es dann, der ihm l852 das 
Motiv zu einem seiner besten Bilder gab, womit er sofort als Meister in 
seinem Felde eine hervorragende Stelle einnahni: ,,das Thal der TouqueE. 
Auf schöner setter Weide gehen behaglich Kühe und ein Gaul zur Tranke; 
zwei Stiere sind in heißem Kampf begriffen. Durchaus natürlich i1n Bau 
nnd der Bewegung wie in: Schein des Fells sind die Thiere; sie machen 
durchaus keinen Anspruch besonders schöne und wolgeziichtete Exemplare zu 
sein, tragen vielmehr die Zeichen ihres harten Dienstes und des bäurischen 
nicht allzu reinlichen Stalles. Aber ganz zu Hause sind sie auf der üppigen 
Wiese, in deren hohes duftiges Gras sie tief einsinkeu; dabei zieht eine 
schwiile Luft über den Weideplatz, leichte Dünste steigen auf von der noch 
feuchten Erde, schwere Wolken wälzen sich vorüber, in leise Bewegung 
scheint Alles zu gerathen und den wehenden Sturm zu verkünden. Und so 
gibt immer die besondere, die ganze Natur, Thier nnd Landschaft durchs 
dringende Lichts und Lnftsti1nnu1ng den Bildern Trohonis einen eigenen 
Reiz. Jn dem Bilde ,,Ochsen auf dein Wegeszu1n Pflügen0, die dem Be: 
schaner in voller Brustbreite mit ihrem Treiber auf weitem Blachfeld enti 
gegenkon1men Tini Luxe1nhourg, 1855J, ist Alles eingehiillt in herbstliche 
Morgennebel, welche die Friihsonne noch nicht hat zerstreuen können. Die 
Nüstern der Thiere dumpfen, dunstiger Brode1n steigt ans dem lockeren 
Boden auf, nnd der graue Himmel, von dem das Gespann dunkel sich ab: 
hebt, scheint auf die Erde sich herabzulassen. Oder der Maler bringt auch 
wol dumpf brütendes Vieh in träger Ruhe aus sonniger Wiese und bei 
lastender Mittagshitze. 
        

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