Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der modernen französischen Malerei seit 1789
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3386212
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3387343
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VuIhs 
I. Kapitel. 
Die Revolution und die Kunst. 
Epochen durcheinandern1ischte; ja, er nahm keinen Anstand, im Hintergrunde 
des Gen1aehs von Paris nnd Helena die Kart;atiden des französischen Bild: 
hauers Go1cjon Laus dein 16. JahrhundertJ anzubringen. Selbst in der 
Ausführung hielt ihn nun zum Nachtheil des Ganzen das Interesse für 
das Geräthe fest; mit derselben Sorgfalt, demselben freien nnd glatten, 
verriebenen Auftrag, wie die Personen, sind auch die Dinge behandelt. Es 
ist überhaupt in allen diesen Bildern ein höchst fleißiger, aber niicl;terner, 
zierlirher, allzu gepflegter Pinselstrich. Dieser gleich1näßigen Sorgsamkeit 
der Ausführung entspricht das Kolorit, die Eintönigkeit mit der die Farbe 
blos als Mittel, um die Fortn zu heben,sbehandelt ist. 
Die Rkvo1;Ition und die Kunst. 
Die innere Verwandtschaft dieses Aufschwnngs der Malerei mit der 
politischen Revolutiou nnd die neue Wechselwirkung zwischen Kunst nnd 
Sitte ist nicht zu verkennen. David und die Schule, die sich nun schon 
um ihn bildete, räumten die ganze echt n1alerische Kunstentwicklung, welche 
zwischen der antiken Fortnenwelt und dem 18. Jahrhundert liegt, entschie: 
den nnd mit Einem Male zur Seite, ganz ähnlich, wie die Revolntion mit 
riicksichtsloser Schneide jeden Znsan1menhang mit der geschichtlichen Vers, 
gangenheit rnndweg löste, um sich ans den Boden der abstrakten .,Menschens 
rechteIt .zu stellen. Beide, indem sie von der Weise und dem System ihres 
Jahrhunderts sich lossagten, brachen zugleich mit den weiter zurückliegenden 
Zeiten. Wie ferner den Männern des Eonvents nnd der Ausschiisse  
denen wenigstens, die es ehrlich meinten  die rö1nische Bürgert1cgend als 
das höchste Ideal erschien, zu dem die Menschheit u1n jeden Preis und 
auf dein geradeften Wege zurückkehren müsse: so erhielten die ersten epoche: 
machenden Bilder Davids ebensowol von diesem politischen Pathos, als 
von der römischen Anschauung der Form ihren Charakter nnd ihre Bedenk 
tung. Beide endlich erklärten sich gleich entschieden gegen die Welt des 
Mittelalters und das Reich der christlichen Mythe. Für beide gab es 
keinen christlichen Gott nnd keine Heiligen mehr, und schon damit leitete 
David die neue Epoche der Malerei ein, daß seine Richtung i1nPriucip der 
religiösen Kunst ein für allemal ein Ende machte. Als ihm einmal ein 
Christus bestellt war und er alles Weigerns ungeachtet zur Aussiihrung ges
        

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