Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der modernen französischen Malerei seit 1789
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3386212
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3394253
Toulmouche. 
Steveu6. 
Dej0IIghes 
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das in manchen deutschen Kreisen für vornehn1 gilt und dafür nur zu oft 
vom bescheidenen Künstler auf Treu nnd Glauben genommen wird. Viel: 
mehr haben die Gestalten jenes Kleeblatts den leichten Wurf nnd die Frei: 
heil der Bewegung, welche in Frankreich das Kennzeichen guter Gesellschaft 
sind, die runde entgegenkonnnende Grazie feiner Frauen nnd das zierlich 
unbeholfene, angezogene Wesen allzugut gewöhnter Kinder. Kurz, sie treffen 
dies Leben in seiner allerdings schcnächtigen Wahrheit, in der schwächlichen 
Natur, zu der sich die Kiinstlichkeit1noderner Sitte schließlich ausgewachsen 
hat. Dabei wissen sie das Kokette und Liebeuswürdige dieser üppigen Welt 
gefällig herauszuheben.  
Darin besteht ihr Verdienst, darin aber auch ihre Mängel. Zu viel 
Gewicht legen die gebildeten Stände der Zeit auf den bloßen Schein, den 
sie nicht entbehren können und der doch nur, wie sie selber fühlen, eine 
Unwahre nnd tvesenlofe Hülle ist; wessen Wesen aber darin aufgeht, der 
hat selber keinen Inhalt, keine Erfüllung. Am Schein aber packt der Maler 
feine Welt nnd schlimm für ihn, wenn unter dem Schein nichts ist, das 
er mit ergreifen könnte. Die todte Hülle, in der keine Seele pnlsirt, das 
ist die Profa, die Langeweile  nnd diese in der That sieht aus den 
Bildern,jeneriKiinstler heraus, wenn der erste reizende Eindruck vorüber 
Hist. Dieser öden Leere, dem Mangel an innerer Lebendigkeit können sie 
um so weniger entgehen, als ihnen jener elegante Schein nnd Schimmer, 
jene äußere Grazie die Hauptsache ist. Zum größten Theil sind es die 
dürftigsten Situationen, die sie sd7ildern: ein Besuch, Geplauder zweier Mädi 
then, Mütter uiit ihren Kindern spielend oder sie uuterrichtend; ganz mai 
lerische Motive, wenn, wie gesagt, der Schein ein naiver, von Leben erfiill; 
ter wäre. Und auch da wo diese Meister ihre hübschen Figuren in eine 
betvegtere Beziehung sehen, ist dies nicht die Gediegenheit eines Licht 1nensch; 
lichen Inhalts, sondern die durchaus tnoderne Empfindung des Konflikte; 
zwischen Natur nnd Sitte, Neigung ut1d ,,Schicklichkeitll. So die jungen 
Frauen von Stevens, die heimlich Briefe schreiben nnd empfangen. Oder 
ein paar Bilder von Toulmonche, die gerade besondern Erfolg gehabt 
haben: ,,die verbotene Fruchtl reizende blntjnnge Mädchen in einer Biblioss 
thek, wo ihrer Zwei verbotene Waaren entdeckt haben und mit einem Eva: 
lächeln lesen, während eine dritte an der Thüre lauscht, eine vierte auf 
der Leiter weitere Nachforschnngen anstellt;tJ dann die ,,Vernnnftheiratht, 
dem.Qriginal photogmphirt Von Bingham. 
II Nach
        

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