Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der modernen französischen Malerei seit 1789
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3386212
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3393995
Meiffonnier. 
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sorgsam vollendendem Pinsel durchgeführt. Doch, wenn nun wirklich der 
Künstler an Bildern von Zeitbegebeuheiten Gefallen findet, so ist ihm dazu 
seit 1859 ein besserer Anlaß durch den Kaiser gegeben. Er stand schon 
vorher in der Gunst des Hofes; nun sollten von seiner geschickten Hand 
die französischen Waffenthaten auch im kleinsten Format verherrlirht werden. 
Zu dem Ende machte er. i1n Gefolge Napoleons den italienischen Feld,3ug 
mit. ,,Der Kaiser zu Solferinol7  das lang erwartete Bild, in dem 
die Hauptsiguren kaum ein paar Zoll groß sind, erschien endlich im Salon 
von 1864 Licht im LuxembonrgJ. Es ist davon viel Aufhebens gemacht 
worden; doch kann ich nicht finden, das; das Werk an kitnstlerischem Werth 
jenen anspruchslosen Genrebildchen gleichkonune. Nichts weiter als eine 
Zusanüneustellung von Portraitsignren, die für den kleinen Maßstab aller: 
dings merkwürdig gelungen sind, auf nicht minder guten Pferden, wie denn 
Meissonnier schon in jener ,,RastA bewahrte, daß er auch mit dem Pferde 
wol n1nzngehen wisse. Dabei einige todt hingestretkte Oestreicher und am 
Fuß des Hügels manövrirende Artillerie. Das Alles  ein etwas trocknes 
Abbild der Realitiit  macht trotz der Lebendigkeit der Bewegungen noch 
kein Bild, kein malerisches Ganzes ans, und so leidet auch dieses Gemiilde 
an den Mängeln der modernen Schlachtenmalerei. Zudem ist es dem 
Künstler diesmal nicht gelungen, Figuren und Landschaft zu harmouischer 
Wirkung zusammenzusti1nmen.  Weit mehr Interesse bietet das Seiten: 
stiiik zu ,,Solferino7s, das derselbe Salon brachte: Der erste Kaiser mit 
seinem Generalstab im Feldzuge von t814 Csollte vielleicht jenes den 
glücklichen Riicksihlag gegen diese Katastrophe schildern2J. Hier ist wirklich 
Stimmung nnd Ausdruck eines tragischen Vorgangs: unter grauem Himmel 
und auf schmuizige1u erweichtem Schneeboden schleppt sich der Kaiser mit 
seinem Gefolge weiter, mit der Haltung und den Mienen resignirter Berg 
zweifluug, wie im Gefühl eines unaufhaltsam einbrechendeu Schicksals.  
Gegenwärtig ist der Künstler mit einem großen Schlachteubilde  vers 
hältnißn1äßig  beschäftigt, das ihn von einer neuen Seite, als Lichten 
Historienmaler, bewähren soll. Aber seiner Anlage und seiner ganzen Natur 
nach läßt sich bezweifeln, ob er es auf diesem Felde zu der Meisterschaft 
bringen wird, die sich manchen seiner harmlosen Sittenbildchen nicht ab: 
sprechen läßt.fJ  
IJ Nur wenige Bilder von M. sind 
alle seine neueren Werke von Bi11gha1n 
gestochen; dagegen die Mehrzahl, insbesondere 
 der bekanntlich in der Ausnahme von Oekge:
        

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