Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der modernen französischen Malerei seit 1789
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3386212
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3393598
Laug6c 
Hcsdonin. 
Ribot. 
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unmittelbaren Wurf der Natur; namentlich aber ist in der Landschaft  
wenn bloße Ackerfelder noch so heißen können  die Frische der Luft, das 
eine Mal das Wehen nnd die Unruhe des Gewitters, das andere Mal 
die neblige Kiihle des frühen Morgens mit wenig Mitteln energisch wieder; 
gegeben. Diese Bilder sind zugleich dafür bezeichnend, wie sich eine ganze 
Reihe junger Künstler dieser Tage absichtlich über alle Komposition, über 
jede Mannigfaltigkeit der Anordnung hinwegseßt. Nur ein paar Figuren 
finden sich aus den ansgebreiteten kahlen Flächen. Um ja nicht die unmittelbare 
Naturwahrheit zu verfehlen, sucht sie der Maler da ans, wo sie durch eine 
besondere Leere und Einförmigkeit gerade das Gegentheil darbietet von dem 
Reichthnm des Lebens, der seit Jahrhunderten das eigentliche Element der 
Kunst war. HcZdonin hat dann auch Scenen ans dem spanischen Volks: 
leben behandelt, wobei er sein Geschick darin bewahrte, die heiterm 
kräftigen Lokalfarbeu in dem franken Licht des Südens wirksam zusammen: 
zustimmen. .Wie er neuerdings den seltsamen Uebergang zu der delos 
rativen Kunst nach dein Geschmack des 18. Jahrhunderts maihte, haben 
wir oben gesehen; ein Zeichen, wie lese er doch im Ganzen den groben 
Mantel des gemeinen Natnrlcbens umgeschlagen hatte. Eigen bleibt ihm 
auch ans dem neuen Felde eine volle entschiedene Färbung.  
Eine besonders malerische Begabung zeigt Augustin Ribot, der erst 
seit 1861 aufgetreten ist. Er hat einige Jahre außer ein paar flott hins 
geworfenen Stillleben nur Köche in allen möglichen Situationen gemalt, 
dabei  aber durch das schneidend entfallende Licht ans die weißen Jacken, 
die ans schtvarzdnnkle1u Grunde kräftig heransleuchten, eine auffallende 
Wirkung erreicht. Da brachte er l865 einen heiligen Sebastian, der vers 
wnndet von zwei alten Weibern gepflegt wird: ein Bild, das großes Auf: 
sehen nnd die Bewunderung der Kenner erregte cim Lnxe1nbonrgJ. Aus 
dem verzerrten schreiende Munde, den vnlgären Zügen, dem eingesnukenen 
und doch noch krampfhaft angespannten Körper spricht die Maßlos1gleit 
eines gemeinen Schmerzesz dahinter hocken sorgsam mit ihm beschäftigt 
in schwarze forn1lose Gewänder eingemnInmt, in den dunklen Grund 
sie, fast verlierend, vie wprbe1eititen Akten wie zwei Knäuel. Ja das 
niederste Leben ist so die christliche Sage, einer der edelsten Gegenstände 
aus der Blütezeit der Malerei, mit roher Energie herabgezogen. Merkwürs 
dig aber ist die Lenchtkraft, womit der schon.fahle welkende Körper aus 
der tiefgestiunnten Umgebung sieh heranshebt, das scharfe Spiel der Lichter 
in die Schatten, sowie der schwebende Uebergang der ganzen Lichtmasse in
        

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