Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der modernen französischen Malerei seit 1789
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3386212
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3391786
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BUIIIs 
Kc1Ps 
Sittenbild. 
Das militäriskhe 
seine ,,Bru1nmbärenU nannte, von der komischen wie von der ernsten Seite 
mit Vorliebe behandelt. Er traf ihren Charakter, ihr Wesen nnd Gebahreu 
so gliicklich; daß man sich sunter der Restanration wie dem Jnliki5nigth1nu 
jene Heldentrnppe kaum anders mehr vorstellen konnte, als in der Gestalt, 
mit dem Aussehen und den Wendnngen, die ihr Charlet gegeben hatte. 
Dabei wußte er die Jndividnalität mit dem Ausdruck der bestim1nten Waffen: 
gattnng so zu vereinigen, daß beide zusammen jedesmal einen ächten mili: 
tärischen Typus bilden, der sich von jedem anderen unterscheidet. So gab 
er die Soldaten des Kaiserreich6 auf dem Marsch, im Lager,ivor, während 
nnd nach der Schlacht, im .Hinterhalt, beim Pliindern, beim Spiel, kurz 
in allen ihren Erlebnissen, ihren bösen nnd ihren guten Tagen, immer 
nach dem Leben und in durchaus noZtiirlicher Erscheinung, wie wenn er 
überall mit dabei gewesen wäre. So ist es auch mit seinen wenigen Oel; 
gemälden, von denen die Episode aus dem russisehen Feldznge, womit 
er im Solon von 1836 einen entschiedenen Erfolg hatte, das Elend und 
die Verzweiflung der heimkehrenden Armee mit ergreifender Wahrheit schil: 
dert cim Museum von Lhou; ein Uebergang des Heeres über den Rhein 
beiiKehr in Veksai1IesJ. 
Jan Ganzen indessen war die tragische Auffassung des Kriegslebens 
Charlet3ö Sache nicht. Er hatte von Haus ans einen uniiberwindlichen 
Witz nnd Humor, der ihn selbst ernste Lebenslagen komisch nehmen ließ, 
mit seinem ganzen Dasein, seinem Verhiiltniß zur Gesellschaft wie zu. den 
Freunden sich verflocht4J und ebenso in sein künstlerisches Wirken sich mischte. 
II So soll er einmal Gi5ricanlt während dessen Londoner Aufenthalteg, wohin er 
ihn begleitete, durch die komische Ermahnung, die er ihm hielt, von schwarzen Todes: 
gedenken befreit haben. .Hübskh ist, wie sich die Beiden kennen lernten nnd Freunde 
wurden. Am Beginn seiner Laufbahn mußte sich Charlet Geld verdienen, wo er ed 
finden konnte, und so malte er denn auch eines Tages auf die Fensterläden eines Wirthsi 
hanse8 zu Mendvn allerlei verlorteude Lebensmittel. Da sagt ihm der Wirth, daß im 
ersten Stett einige Gäste seien, die ihn zu sprechen wünschen. Als Eharlet eintritt, nennt 
ihm G6ricanlt seinen Namen nnd lädt ihn ein, an ihrem Mahle Theil zu nehmen: er 
schätze ihn sehr nnd kenne feine Lithographien, die nur von der Hand eines tüchtigen 
Mannes herrühren könnten. Grjricanlt fühlte sich zu diesem gesunden naturaliftisrhen Tq2 
lent um so mehr hingezogen, als er selber eine gewisse Verwandtschaft mit ihm hatte.ss 
Bezciehnend dafür, wie gern Eh. seinen Witz über sein eigenes Leben spielen ließ, ist die 
Erzählung von der ersten Begegnung mit seiner Frau, die er gern zum Besten gab. 
,.Sie stopfte Strümpfe, sagte er, ich fühlte mich lebhaft ergriffen. Die Vorsehung selber 
führte mich ihr zu; das war die Frau, die ich brauche, der ich immer Löcher in den 
Strümpfen habest
        

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