Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der modernen französischen Malerei seit 1789
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3386212
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3391204
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Bindi 
Kapi, 
politische und 
Das 
litcraFifche Leben 
der 
EsIqcfJc. 
1nit ihrem Jahrhundert zu thun hatten, zeigen diesen rückwärts gewendeten 
Zug. Die englische Staatsverfassung ist das Muster, das sie, ans seinem 
organisihen Znsa1mnenhang losgeliift, für ihr eigenes Land nnerniiidlieh 
aufstellen; was dieses selber betrifft, so sind sie emsig bemüht die neue 
Zeit an die Geschichte der frühem Jahrhunderte wieder anzukniipfen nnd 
so in ihrer Weise jene Kette der Jahrhunderte herzustellen, die schon 
den Bourboncn am Herzen lag. Nicht, das; sie sich wie diese zuriicigebogen 
hätten im Sinne einer reactionären Strömung. Aber sie widerstanden 
doch  man kennt die ,,Po1itiquc de resistiuieel4 von Gui3ot  dem 
bewegteren Zug der Gegenwart, Inn das öffentliche Leben ans den stiir: 
mischen Wogen der Nevolntion in das stille Fahrwasser der Ueberliefernng 
ein;ulenlen. Das französische Volk, so meinten sie, müsse zu seiner Vers 
gangenheit sich wiederbckennen, nnd die Gesellschaft zwar die Früchte der 
Revolution sich aneignen, aber zugleich ihre Entwickelung an der Hand 
der Geschichte da wieder aufnehmen, wo sie mit dem Umsturz von l789 
abgerissen war. Die Vergangenheit war es auch, die Geschichte der Philo: 
sophie, aus der sich die eklektische Lehre ihre Kräfte holte, die Gefchithte 
der Literatur endlich, deren Schähe die Kritik in Villemain ansdeekte, ohne 
sich auf das eigene literarische Leben des Zeitalters tiefer einzulassen. 
Eine Wiinschelrnthe schien dies geistig rührige Geschlecht zu besitzen, um 
das verborgene Gold in den Schachten früherer Jahrhunderte aufzufinden, 
aber über dem Graben nach demselben kaum ein Auge zu haben für die 
Silber: oder Erzadern, welche durch das Gestein ihrer eigenen Zeit zogen. 
Die Geschichte, ihre Erforschung nnd ihre Schilderung: das 
war in der That das Feldzeichen, darum sich die fähigen Köpfe wie die 
produktiven Talente. der Zeit zu gegenseitig siih anregendem und steigern: 
dem Wirken vereinigten. Mit welchem Eifer schon unter der Restauration 
die Geschichtsforschung betrieben worden, wie mit ihr eine Richtung der 
romantischen Schule Hand in Hand gegangen, hat das.dritte Buch gezeigt. 
Zwar nahm das Julikönigthun1 einen Theil der besten Kräfte, wie ThieI, 
Guizbt und Villemain, für das öffentliche Leben in AnsprucJ. Allein er: 
wies. sich schon hierin die historische Betrachtnngsweife als ein bestim: 
mendes Element der Zeit, so blieb außerdem der andere Theil bei der 
Wissenschaft nnd Literatur, während zugleich jene, so oft die Politik ihnen 
 da;n Muße, ließ, ihre Studien wieder anfnahmen. 
U, Doch ist ein Unterschied zwischen der Geschichtschreibnng, welche sich Mit 
Oder romantischen Periode der Restanration berührt, und derjenigen, welche die
        

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