Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der modernen französischen Malerei seit 1789
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3386212
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3391183
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Budbs 
I. Kaps 
literarifrhe 
Das politische und 
Leben 
Epoche. 
Nicht anders war es in den übrigen Zweigen des geistigen Lebens. 
Die ganze Deukweise und Gesittuug der Zeit war von demselben Zuge 
bewegt wie die Kunstrichtung, mit der wir uns jetzt beschäftigen. Zunächst 
die Philosophie. Die senfualistische Lehre des achtzehnten Jahrhunderts 
hatte den Geist seines ganzen bisherigen Inhaltes entleert und ihn mit 
einseitiger Konsequenz für den bloßen Abdruck sinnlicher Wahrnehmungen 
erklärt. Umgekehrt gab ihm nun die eklektische Philosophie, welche die 
philofophischen Leistungen des modernen Frankreichs in sich zusamn1enfaßt 
nnd in Consin ihren vornehmsten Vertreter fand, aus den Schätzen der 
Vergangenheit seinen Reichthnm zurück. Consin entnahm dazu ihren ver: 
schiedeneu Shstemen, namentlich dein neuen deutschen Jdealis1nus, solche 
Grundsätze, die nicht blos die geistigen, sondern auch die sittlichen nnd ges 
inüthlithen Bedürfnisse seines Zeitalters zu befriedigen schienen. Wenn gleich 
der wissenschaftliche Werth dieser Lehre gering war, so hat sie doch die 
Bedeutung, dem zeitgenössischen Geschlechte eine Fülle Von Jdeen, wonach 
es sich sehnte, zugebracht, ihm die Geschichte der Philosophie erschlossen 
.nnd nicht blos seinem Verstande, sondern auch seinen Gefühlen  indem 
Cousin die innere Uebereinstimmung der Vernunft mit der E1np,sindung dars 
znthun suchte  mit. einem tieferen Jnhalt neue Impulse gegeben zu haben. 
Auch sie ver1nittelte so die Gegensätze, sowol der verschiedenen philosophi: 
schen Forschungen, als die Konflikte des Geistes mit dem Herzen, des Jus 
dividuun1s mit der Welt, worin die ron1antische Anschauung befangen war. 
Zugleich vertrat sie die Sache des Biirgerthutns, indem sie feiner Jus 
telligenz den angemessenen Ausdruck und dem liberalen Princip eine wissen: 
schaftliche Form gab. So war sie die eigentliche Philosophie des Juli; 
königthu1ns, wie etwa eine Zeitlang das Hegel7sche System in Preußen die 
offizielle Lehre gewesen. Jhrerseits eröffnete die literarische Kritik in 
Billemain ein unparteiifches und daher tieferes Verständniß sowol der 
ausländischen Literatur als der eigenen französischen der früheren Jahr: 
hnnderte sCnamentlich des achtzehntenJ; nicht, wie die Ron1antiker, mit ein; 
seitiger Vorliebe für eine besti1nn1te Epoche, sondern mit.feinem en1pfängs 
lichem Sinn für die Werke der verschiedenen Zeiten und ihren Zusammenhang 
mit dem gesannnten Kultur,leben. Diese Kritik führte tiefer in den Geist 
der Zeiten ein, weil sie mehr an das Ganze als an das Detail sich hielt 
nnd die Werke aus ihrem eigenen Charakter und dem Wesen der Epochen 
zu begreifen suchte. Auch Sainte:Beuve trieb sie in diesem Sinne unter 
die Juliregierung nnd begab sich der heftigen Zu: nnd Abneigungen, die
        

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