Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der modernen französischen Malerei seit 1789
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3386212
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3390742
372 
Bindi 
x11. Kapitel. 
Meiste: aus der Jngres7fcben Schule. 
seinem ztoeiInaligeu italienischen Aufenthalte eine tüchtige Kenntniß nnd 
Uebung seines Fuchs erworben. So hat er sich mit unern1iidlichem Fleiße 
sowol des Stoffs als der Form bemächtigt, deren er beider bedurfte, um 
den großen Plan, den er sich gesetzt, wenigstens annähernd auszuführen. 
Wie manches Sonderbare auch in seinen Jdeen mitunterläuftHJ, so hat er 
doch die verschiedenen Epochen mit seinem Sinn erfaßt nnd ihren Charakter 
zu treffen verstanden; man merkt, daß er seine Auffassung, die immer das 
Wesentliche gibt, nicht von irgend einem Fachmann ans zweiter Hand 
empfangen, sondern durch eigene ausdauernde Arbeit sich gebildet hat. 
Andrerseits gehen ihm die so verstandenen Stoffe in einem kiinstlerisch ab: 
gerundeten Bilde auf. Er sucht nicht, wie das Kaulbach thut, in denselben 
Rahmen eine Fülle Von Beziehungen zu bringen, noch durch einen wol 
oder übel znsannneicgewiirfelten Reichthnn1 von .Einfällen nnd Jdeen einen 
inhaltsschweren Stoff nach allen Seiten geistreich zu erschöpfen; er faßt 
vielmehr mit Licht liinstlerischem Sinn den Charakter einer ganzen Epoche 
in einem besonderen Vorgange oder in einer idealen Gruppe durkh innere 
Verwandtschaft verbnndener Personen zu einem klaren, einheitliehen und der 
Phantasie sich einprägenden Gemälde zusammen. Was die DarstellUngs: 
weise anlangt,,so folgt er ziemlich treu den Cinqnecentisten, namentlich 
Raphael und Michelangelo. Wenn. er sich nicht scheut, ihnen einzelne 
Züge und Gestalten geradezu zu entnehmen, wenn er andrerseits in der 
Dnrchbildnng der einzelnen Körperformen nicht immer sicher nnd korrekt 
ist, so weiß er doch .fast immer den Jnhalt in der Erscheinung mit einer 
gewissen Energie, mit dem frischen Zuge urspriinglicher Empfindung zu 
versinnlichen und den Figuren den ,Wnrf, den Ausdruck des sie beherrschen: 
den Lebens zu geben. Daher sind denn auch mehrere seiner Kartons  
VI Wie z. B. der Vergleich, den er seinem geschicht6:pbilosophisdhen System znx 
Grunde legt, zwischen der Entwickelung des einzelnen Jndividun1us seinen verschiedenen 
Leben8altern nach und derjenigen des ganzen Meufehe11giefehlechtes. Er suchte überhaupt 
gern allerlei symbolische Beziehungen auf und trug sich mit weittrage11dens Plänen. Doch 
steht im Ganzen seine Weltansehauung, welche pantheistisch ist, auf der Höhe der heutigen 
Forschung. Dem entsprechend zeigen denn auch diejenigen von seinen Entwürfen, welche 
sieh mit der symbolischen Darstellung des ganzen Weltlaufs, des menschlichen Geistes nnd 
Schicksals, der jenseitigen Welt nach der coinbiuirten Auffassung der verschiedenen Reiß 
gleiten beschäftigen, wie die fünf großen Kon1positionen, welche unter den fünf Kuppeln 
des Pantheons auf dessen Boden als Mosaiken angebracht werden sollten, eine unklare 
Hänfnng Idee Verschiedeusjen Motive und Figuren; wo hingegen diese Grübeleiec1 mehr 
.;nriicItreteu, wie in der Schilderung der einzelnen Epochen, da zeigt sich ein seiner 
saehlicher nnd in das innere Triebwerk der Csesekzichte eindringendcr Sinn.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.