Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der modernen französischen Malerei seit 1789
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3386212
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3390580
356 1v. 
Bachs 
KaPs 
Die relig. 
Malerei unter d. 
Einfluß der idealen Kunstweise. 
erwärmende Pnlsschlag des Jahrhunderts nicht heriiberreicht. Die hier 
beabsichtigte iäußere Schönheit ist nur eine leere und entseelte Hülle, der es 
cbendeshalb sowol an dem Charakter des individuellen Genius als an dem 
ursprünglichen Zug des die Zeit bewegenden allgemeinen Lebens, also an 
den Hauptbedingungen des eigenen Lebens gebricht. 
Die ganze Gattung hat ans denselben Gründen, nachdem sie mit dem 
Aufschwung der dreißiger Jahre bald das ihr zuge1nessene Ziel erreicht 
hatte, eine eigentliche Entwickelung nicht durchgemacht. Es treten wol vers 
schiedene Manieren auf, aber nur als die heriibergreifenden Auslänser der 
verschiedenen Richtungen auf den anderen Gebieten. Es scheint daher ans 
gemessen, die ganze Reihe zusammenzufassen und an die Leistungen des 
Julikönigth1nns die des zweiten Kaiserreichs anzuschließen. Denn auch 
dieses, darauf bedacht, sich für sein despotischcs Regin1eut die Stütze des 
positiven Christenthums und daher wenigstens äußerlich das gute Eiuver: 
nehmen mit der Kirche zu erhalten, läßt es an der cAussch1niickung ihrer 
Stätten nicht fehlen und will hierin hinter den Austrengnngen der voran: 
gegangenen Regierung nicht zurückbleiben. Jn der allgemeinen Stimmung 
freilich ist nichts mehr von jenem religiösen Eifer, der früher von den 
höheren Klassen ins stillem Widerspruch gegen den B1irgerkönig gepflegt 
wurde; wenn die FebrnarreVolution eine gute Folge hat, so ist es die, 
wenigstens den mittleren Ständen auch den Rest noch von kirchlicher 
Gesinnung ansgetrieben zu haben. Doch, diese ernstlich zu beleben, liegt 
auch nicht im Jnteresse der gegenwärtigen Regierung, und so genügt man 
sich beiderseitig mit dein äußerlichen Schein des religiösen Kultus. 
Dieser Lage der Verhältnisse entsprechen so.zie1nlich die neuesten Werke 
der christlichen Kunst. Wol sind auch neuerdings noch Malereien entstan: 
den Cz. B. in der neuen gothischen Kirche Sie. Clotildej, welche die 
strengere Tradition der Jngresifchen Schule aufrecht zu erhalten suchen 
und ein tieferes Streben, einen ernsten künstlerischen Sinn bekunden. Aber 
im Ganzen gibt man nun, um dem an Pruuk nnd Luxus gewöhnten Ges 
schlechte die Andacht leicht und gefällig zu machen, den biblische1sGestalteu 
eine gewisse moderne,Eleganz der Erscheinung und eine sentinieutale Weins; 
heil; des Ausdrucks Lein Beispiel dafür sind die auch bei uns hinlänglich 
durch den Stich bekannten Ge1nälde JalabertsJ; oder man bringt in sie 
den bewegten Wurf der Realität, taucht sie, um der Kälte ihres iibersinns 
lichen Daseins abznhelsen, in einen tviir1neren Farbenschein und fügt dazu 
noch den Reiz einer flotten bravourhaften Behandlung: eine Weise, deren
        

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