Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der modernen französischen Malerei seit 1789
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3386212
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3390516
Notres dame:dekForette. 
Die Meiste: vix 
Richtung. 
streng kirchlichen 
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in bunter Abwechselung der Meister, alle aber mit der oberflächlichen Ele: 
ganz 1nodern:gefälliger Erscheinung erzählen. 
.Doch ist seltsancer Weise in der nämlichen Kirche auch eine strengere 
Richtung vertreten, der es um den gesa1n1uelten Ausdruck einer tieferen Frö1n: 
migkeit zu thun nnd daher die ältere italienische Kunst Vorbild ist. Es sind 
die Kahellen der Maler Victor Orsel  Alphouse Peärin 
cbeide Schüler Gu6rinsJ und Adolphe Roger cSchiiler von GrosJ, 
welche, sowol durch den Ernst der Anschauung als durch die sorgfältige  
Ausführung im Sinne der alten florentiuer Meister, bon jenen anderen 
durchaus abftechen. Diese Künstler standen unzweifelhaft unter dem Ein: 
fluß der deutschen Nazarener, der Overbeck und Bett; Orsel, der sich 
Jahre lang in Rom aufgehalten, hatte denselben unmittelbar erfahren nnd 
dann seinerseits wieder auf Pärin, mit dein er durch dauernde Freunds 
schaft verbunden war, nnd Roger eingewirkt. Ihr Bestreben, in der noch 
gebundenen Weise der Priiraphaeliten die Junigieit der religiösen Euupfins 
dnng wiederzugeben, audrerseits in der shnibolischeu Darstellung der evan: 
gelischen Geschichte sich strenger an das kirchliche TJsog1ua zu halten, traf 
mit der katholischen Riiekströ1unng der dreißiger Jahre zusan11nen. Und da 
auch Einige ans der Jngresischeu Schule, von denen gleich die Rede sein 
wird, sieh an die florentinischen und u1ubrischen Meister enger anschlosseu, 
um, was ihnen an Phantasie fehlte, durch einen größeren Aufwand von 
alterthümlicher Frönunigkeit zu ersetzen: so schien es fast einen Augenblick, 
wie wenn das deutsche Nazarenerthum auch in Frankreich sich einbiirgeru 
nnd die Kunst in feine Fesseln schlagen wollte. Aber das fran3ösiscie 
Publikum findet wenig Geschmack an einer solchen künstlichen Riiekvcrsetzung 
in uaive Zeiten, welche einen iiberquellenden Inhalt in eine noch nicht 
ausgewachsene Form fassen. Zudem hat es das richtige Gefühl, daß die 
Macht des Ausdrucks, die uubewuszte Kraft nnd Schönheit, welohe dieser 
aus einem ganz erfüllten Geiste zum vollen Schein des Lebens sich empor: 
ringendcn Kunst eigen ist, in der zweiten nachbildenden Hand doch mehr 
oder minder verloren geht. Daher blieben jene Bestrebungen vereinzelt 
tund der Beifall, den sie fanden, beschränkte sich auf Kenner nnd Künstlers 
kreise. Uebrigens hätten sie auch diesen nicht gefunden, wenn jene, wie die 
deutschen Nazarener, sieh begnügt hätten, ihre christlichen Jdeen und En1: 
pfindungeu in einer den alten Meistern äußerlic; abgesehenen Form wieder: 
zugeben, welche den lebendigen Schein der Natur nicht einmal halbwegs 
erreicht. Da ihnen der reiche Fluß der Erfindung fehlt, durch den we:
        

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