Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der modernen französischen Malerei seit 1789
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3386212
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3386954
neue Kunstverständniß. 
Dc;s 
Winkelmatm. 
Les sing nnd 
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wieder, was der Kunst des Rokoko so gänzlich abhanden gekommen war: 
eine ideale fornwollendete Natur, die zugleich seelenvoller Ausdruck war. 
Zudem mit ebenbiirtigem Sinn in sie eingelebt, eröffnete er zuerst das 
Verständniß ihrer geschichtlicheu Entwickelung: er so überhaupt der Erste, 
der das Leben der Geschichte aus sieh selber zu erfassen, seine Siegel zu 
lösen wußte. Wenn er, der selber mit der schöpferischen Empfindung des 
Didsters das Kunstwerk wiederbelebte, dabei noch die Grenze zwischen Poesie 
nnd bildender Kunst derwischte, so fand sich dagegen in Lessing der schärfere 
und kiihlere Geist, der die Gattungen sonderte nnd nach den eigenthii1u: 
lieben Gesetzen einer jeden forschte. Mag nun seinerseits er, der nicht wie 
Wiukel1uann durch eigene Anschauung in die Kunst eingedrungen war, die 
Grenzen der Malerei zu eng gezogen haben, indem er als ihr Prinzip die 
Schönheit der Form bestinc1nte, welcher der Ausdruck sich unterordnen müsse: 
IV hat er ihr, die man in Folge des ausschweifenden Altegorienwesens fast 
nur als ,,stn1nmes Gedichttt betrachtet hatte, doch ihr eigenes Gebiet zurück: 
gegeben. Beide aber kamen darin überein, das; sie in der bildenden Kunst 
ein besonderes Ideal wiederentdeckten, dessen Darstellung als die Schö: 
Pf1Mg des Schönen sitt; selbst Zweck ist nnd weder mit logischen Begriffen 
Noch mit moralischen Lehren etwas zu schaffen hat. Sie vollbrachten so 
im Namen der Kunstanfchaunng, was später Kant im Namen der Philo: 
sophie leistete. Indem dieser den reinen Begriff cdie ,,interesseloset Wel0 
des Schönen entdeckte nnd die Kunst einerseits als Prodnkt des Genus, 
andrerseits als Erzeugung des Schönen bestimmte, errichtete er das Furt: 
datnent der modernen Aesthetik und gab den Forschungen seiner Vorgänger 
Die wissenschaftliche Ergänzung. Endlich verbreitete gleichzeitig das große 
Werk von Stuart und Revett cAlterthiinter Athens, seit 1762J die genauere 
Bekanntschaft mit den klassischen Ueberresten der griechischen Kunst in den 
weiteren Kreis der Gebildeten. 
In jenen Untersuchungen zeigt sich schon der eigenthün1liche Geist des 
neuen Zeitalters nnd sein Verhältnis zur Kunst. Diesmal gingen der 
Produktion die gesihichtliche Betrachtung nnd das kritische Verständniß vor: 
ans. Ein Verhältniß, bei dem die sich eruenernde Kunst nur gewinnen zu 
können schien; und in der That wirkten ans diese, wie wir sehen werden, 
die Studien Winkelmanns und Lessings zurück: Der geniale Sinn, mit 
w.elche1n diese belebend in die Tiefe der Kunst eindrangen, der schöpferischeu 
Einbildnngskraft verwandt, mußte ebendeshalb den nachfolgenden Künstlern 
zu gute kommen. 11m so leichter konnten sich Letztere aus dem trüben stehen:
        

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