Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der modernen französischen Malerei seit 1789
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3386212
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3390162
318 
Bad. 1. Kapitel. 
2. Jngreg. 
sind. Aber mag nun dies daran Schuld sein oder der Umstand, daß der. 
Inhalt beider Seenen sich vom Maler nicht vollkommen aussprechen läßt: 
der Ausdruck ist einerseits durch eine gewisse Schwäche, wie in der Octavia, 
unter der Wahrheit geblieben, andererseits durch den Aufwand von zu viel 
Pathos, wie im Seleukos und im Arzte, über sie hinausgegangen. Ueber: 
haupt ist das Bild der Stratonike, sonst hervorragend durch die n1eister: 
haste For1nbehaudlung und die bewundernswerthe Vollendung, mit der alles 
Einzelne zu künstlerischer Erscheinung durchgebildet ist, durch den Mangel 
an Einfachheit in seiner Wirkung beeinträchtigt. Das umgebende Gemach 
und Geräthe, allzu reich ausgestattet, ist mit förmlich archäologischer Au: 
strengung ebenso sorgfältig ausgeführt, wie die Figuren; Jngres hat hierin 
einen Zug der romantischen Schule, das Beiwerk möglichst treu im Cha: 
rakter der Zeit gehalten eine Rolle spielen zu lassen, mit fast pedantifchem 
Eifer ausgenommen und ist so seinerseits unter den Neueren der Erste ge: 
wesen, der das autiqnarische Jnteresse in der Kunst und das Bestreben, 
durch die Nebendinge die Lokalsarbe zu erhöhen, auf das AlterthuIn singe: 
wendet hat. Und wie eben dadurch in der ,,StratonikeE die Bedeutung 
der Personen abgeschwächt ist, so haben diese überhaupt nicht die unbe: 
saugene Lebenssiille, welche uns aus den Gestalten der großen italienischen 
Kunst zur Ruhe eines idealen Daseins gemäßigt und doch mit unwider: 
stehlicher Macht entgegenschlägt. Dieser Mangel wird noch fiihlbarer durch 
das helle freskoartige Kolorit, dem es gleichfalls an Saft und Tiefe fehlt, 
ja auch durch die spiegelartige Glätte und Feinheit der Ausführung, welche 
eben dadurch, daß sie das individuel1e Werk der Hand ganz verheimlicht, 
das Leben in ihrer gegossenen Fertigkeit wie gefangen hältEJ. 
Das Hauptwerk aber des Künstlers ans dem Kreise der Autike ist 
das Plafondbild,  die Apotheose Ho1nersi L1827J, das früher einen 
Saal der Antikensammlnng im Louvre schu1iiekte, jetzt in: Luxembourg 
sich befindet und dort durch eine Kopie ersetzt ist. Hier kaut es Jngres zu 
gute, daß er nicht in eine bestimmte Periode, zu einem bestiuunten Ereig: 
niß zuriickzngreifen brauchte; es galt vielmehr, die Verherrlichung des 
 7J Das Bild war bis zum Jahre 1853 in der Gacerie des Herzogs von Orl6ang 
nnd ging dann bei dem Verkauf derselben um den hohen Preis von 63,000 Fr. in den 
BGB des Fürsten Deu1idoff über. Ja dessen Villa bei Florenz, wo ich es gesehen habe, 
konnte es in der That den Vergleich mit den dort vereinigten kostbaren Gen1älden der 
älteren. Schulen nicht aushalten. 1863 wurde es gar um 100.000 Fr. vom Herzog 
v. Aumale erstanden.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.