Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der modernen französischen Malerei seit 1789
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3386212
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3390125
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Kapitel. 
J1Igres. 
Ganzen zurücktraten, thaten der Wirkung des Bildes wenig Eintrag. Mit 
ihm erwarb Ich diesmal Jngres auch in Frankreich das Ansehen, zu dem 
er schon seit längerer Zeit in Italien gelangt war. Mitten in den Kampf 
der kühnen romantischen Neuerungen mit der absterbenden klassischen Schule 
traf mit seiner ungewohnten Art das Werk, dein eine eigenthiimliche nnd 
hervorragende Bedeutung keine der Parteien absprechen konnte. Ein neues, 
belebendes Element, das fühlte man, trat mit seinem Urheber in die 
moderne Malerei ein, und gegenüber dein rein malerischen, leidenschafti 
licheu Wesen der Romantiker erhoben sieh mit dem Recht und der Stärke 
des in der Kunst selber begründeten Gegensatzes die Reinheit und der Ein: 
klang der gelä11terten, von einem stillen gehobenen Geiste belebten Form. 
Was noch in der Literatur nnd Kunst fiir Gesetz und cEbenmaß gegen die 
Ausschreitungen der Nenerer in die.Schrauken treten mochte, stellte sich 
mit lauter Anerkennung auf .Jngres7 Seite, und da er gegen jene Talente 
des Umstnrzes gewissermaßen das Prinzip der Ordnung vertrat, brachte 
ihm sein Bild von Seiten der Akaven1ie nnd Regierung auch öffentliche 
Ehren ein. Er selber kehrte nach fast zwanzigjähriger Abwesenheit nach 
Paris zurück, und nahm bald, wenn gleic; die Noutantiker getragen von 
der Zeitströ1nnug und gestützt auf ihre Zahl noch das Feld behaupteten, eine 
angesehene Stellung als Haupt einer Richtung ein, die seit Ende der 
zwanziger Jahre als eine bestimmte Schule innerhalb der modernen Malerei 
ihren festen Plan hat. Nicht lange nach diesem durihsthlagenden Erfolge 
erhielt Jngres den Auftrag zur Ausschmiicknug eines Londreplafoud8 und 
damit die Gelegenheit, sich in der monn1nentalen Kunst zu bewähren, die 
naturgemäß sein eigentliches Feld war. Doch will ich hier, ehe ich zu 
seinen anderen Werken übergehe, die Betrachtung seiner noch übrigen relis 
giösen Gemälde anschließen: da der Künstler, einmal zur Reise gelangt, 
immer sich gleich geblieben ist, erhält man den besten Einblick in seine 
Thcitigkeit, wenn man seine Leistungen in den verschiedenen Gattungen 
znsatnmenfaßt. 
Die Frucht einer neunjährigen Arbeit war das große Gemälde .,das 
Martyrerihu1n des heiligen Shmphorianlt cvollendet 1834z in der 
Kathedrale von AntUnJ, das von Anfang an für eines seiner Hauptwerke 
gegolten hat. In ihm hat sich Jngres nicht mehr ausschließlich den Rai 
phael einer bestimmten Epoche zum Vorbild genommen. Er fühlte wol, 
daß das Motiv als wunderlose Begebenheit aus der Heiligengeschichte einer 
freieren Anschauung günstig sei und eine größere Kraft nnd Fülle der Form
        

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