Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der modernen französischen Malerei seit 1789
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3386212
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3389973
Ponsard und das 
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die Gediegeuheit der Formt anzurechnen; man rühme das emsige Studium 
der antiken Vorbilder, wie der strengen Schule der französischen Drama: 
tiker, die ja als gleich musterhaft galt. Läßt sich indessen aus der neuen. 
Tragödie diese noch mehr herausfiihlen, als jene: so ist doch auch der 
Einfluß der modernen Anschauung merklich, welcher eben die Ron1antik 
Bahn gebrochen hatte, und sicher ist gerade ihm ein nicht geringer Theil 
des Erfolges zuzuschreiben. An die Stelle der typischen Figuren des klafft; 
schen Dra1nas suchte Ponsard individuelle Charakterc zu sehen, deren Re; 
den und Thau das Gepräge ihrer eigenen Ideen und Empfindungen trägt; 
zugleich will er durch den Lokalton der Sittenschilderung nnd die realistische 
Behandlung der vertraulichen Scenen, in denen das dramatische Pathos 
mehr zurücktritt, den antiken Stoff unserer Phantasie nahe bringen. Auch 
fügte er, obtvol er sich imsGanzen ziemlich treu an die Handlung und 
die Personen hielt, wie sie von Livius überliefert sind, doch einzelne Züge 
hinzu, die weit mehr im Charakter der modernen Gefühlsweise, als der 
antiken sind. Mehr übrigens noch als er nahmen seine n5enigen Nachfolger 
von den romantischen Neuerungen in die Darstellung klasfischer Stoffe auf, 
wie denn z. B. in der Valeria Von Magnet und Lacroix, die t851 mit 
Beifall aufgeführt wurde, die Messalina als die tugendhafte Gattin des 
Elaudius erscheint, dagegen ihre Laster auf ihre cfingirteJ Zwillingsschwester 
Lycisca geschoben werden: daher ein Spiel von Ränken und tragisd7en 
Verwechselnngen, dem die Rachel durch die Virtnosität, mit der sie zugleich 
beide kontrastirende Rollen spielte, feinen eigentlichen Reiz gab. Man 
sieht, das Jnteresse am klassischen Drama war nicht mehr rein und mit 
andären Neigungen versetzt. Auch wendete sich Ponsard selber in seinen 
späteren Stücken lAgnes de Meranie, Eharlotte CordahJ dem Mittelalter 
und der neuesten Zeit zu. Hier ging er gleichfalls, im Gegensatz zu der 
bunten und anfgeregten Mannigfaltigkeit der Romantiker, auf die gehaltene 
Darstellung einfacher Empfindungen und Konflikte ans nach dem überlieferi 
ten Kanon der dramatischen Kunst; ein Zug, in dem sich wieder die Ver: 
tvandschaft mit jener Richtung der modernen sMalerei zeigt, die ebenfalls 
Stoffe der. neueren Geschichte ans einem ähnlichen Gesichtspunkte behan: 
delte. Allein mit diesen Versuchen gewann Ponsard nicht denselben Bei: 
fall, wie mit seiner Lncretia. Noch ftih1barer als in dieser war in fetten 
der Mangel an einer ursprünglichen die Vorgänge und Eharaktere tiefer 
verknüpfenden Kraft der Leidenschaft; nahm man aber bei der antiken 
Fabel dieses Uebermaß von klassisiher Kiihle mit in den Kauf, so fand man
        

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