Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der modernen französischen Malerei seit 1789
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3386212
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3389950
Ihr 
zum 
Berhältuiß 
JUlikö11igthum. 
Drama. 
Die klafsische Umkehr im 
299 
der Bewegung, welche in den jungen Talenten zu tief gewurzelt war nnd 
in das ganze geistige Leben zu mächtig eingegriffen hatte, mit einem Male 
ein Ziel zu setzen. Allmälig, etwa seit der Mitte der dreißiger Jahre, tritt 
in die gesa1nmte Kunst eine gewisse Ruhe und Mäßig1t1ig ein. Die ge: 
waltsa1nen Stoffe werden immer mehr aufgegeben, an die Stelle der 
nngestiimen mas;losen Behandlnngswcise setzt sich eine strengere, die Form 
sorgfältiger ausbildende Auffassung. Damit mildern sich auch die Gegen; 
sähe nnd läßt der Kampf nach, der ,vorher in, regellose1n Wechsel die ver: 
schiedenen Richtungen bald eiuanderzubewegte, bald nur um so heftiger 
gegeueinauderspaunte.  
 Ja der Dichtung war es das Drania, in dem zmuichst diese Re: 
action vor sich ging. Der gräs;lieheu Katastrophen in den Stücken von 
Victor Hugo nnd. A. Dianas, ihrer unglaublichen Ungeheuerlichkeiten, die 
abwechselnd in phantastischem Aufpnt,; und in dem nachlässigen Kleide ge: 
wöhnlicher Natnrwahrheit erschienen, des materiellen Aufwandes an po1up: 
hafter Jusceuiruug, am antiquarischen Rüstzeug der Kostiiine und Dekora: 
tionen, vor Allein aber der wilden Formlosigkeit in der Komposition 
wurden die Gebildeten wenigstens Mitte der idreißiger Jahre herzlich müde. 
Man sehnte sich wieder nach dem gemesseuen Ausdruck einfacher Gefühle 
nnd nach dem geregelten Gange einer kiinstlerifch abgerundeten Handlung. 
Racine und Corneille, nachdem sie so lange die dramatischen Ideale der 
Franzosen gewesen, waren wol von den Roinantikern ihres Ansehens ein. 
kleidet worden; aber noch wirkte, wenn auch nur unter der Decke, die alte 
Neigung fort für ihre dem französischen Sinn angepaßte klasfische Behands 
lnngsweise der antiken Stoffe. Da war es eine Schanspielerin, .die 
Rachel cerstes Auftreten in einer Hauptrolle 1838J, welche mit nnleug: 
barer wahrhaft genialer Begabung die alten Dramatiker auf der Bühne 
zum zweitenmale aufleben ließ. War seit fast einem Jahrzehnt das Thes 
ätre kranc;ais verlassen nnd die Porte St, Martin der Sain1nelplatz eines 
aus allen Klassen gemischten Publikums gewesen: so strömen nun die 
höheren und mittleren Stände wenigstens mit heller Begeisterung für die 
wiedererweckte klassische Tragödie in jenes zurück. Indessen in durchgängigem 
Gegensatz zur romantischen Poesie stand dieses erneuern Drama nicht. 
Vielmehr lieh demselben die lebensvolle Versinnlichnng, welche die Rachels 
ihm gab, gewisse mit jener verwandte Züge, und gerade dies gab der 
Darstellung. einen für das Publikum so anziehenden Reiz. So zeigte sich 
auch hier, was wir in der Malerei finden werden: daß nämlich die ideale
        

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