Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der modernen französischen Malerei seit 1789
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3386212
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3389147
226 
l1I. 
ButI;s 
III. 
Kap 
Die romantische Malerei und die roma11tifche Dichtung. 
Daß gerade sie, welche das rein künstlerische Element, die Form link 
weiteren SinneJ als solche, der gegenüber der Stoff gleichgültig ist, zum 
Princip erhob  daß eine solehe Kunst das ganze Geschlecht beschäftigte 
und in Athem erhielt, das war allerdings nur möglich in einer solchen 
Zeit der politischen Abspannnng, eines in der trägen Mitte zwischen Vers 
gangenen und kommenden Ereignissen verharrenden Friedens. Mehr aber 
noch als die politischen  die lediglich gewähren ließen  waren die 
finanziellen und volkswirthschaftlichen Zustände der Entwickelung des get: 
stigen Lebens günstig. Nicht blos, daß die trefflich Verwaltung der Staatsi 
tnittel unter der Restauration, der Ueberschuß der Einnahmen über die 
Ausgaben der Kunst und Wissenschaft zu gute kamen. Sondern nun erst 
trug die Errungenschaft der Revolutiou, die Aufhebung des Zunftzwangs 
und die unbedingte Freigebung der Arbeit, ihre vollen weithin wirkenden 
Früchte. Die rasche Entwickelung aller Gewerbskräfte, des unbeschriink: 
ten inneren Verkehrs und in Folge dessen der nun ungehennnte Fluß aller 
.Hülfsqnellen des Landes trieb den allgemeinen Wolstand zu einer bisher 
ungekannten Blüte und damit seine befruchtende Strömung auch in die 
entlegeneren stillen Gebiete des Geistes. 
Zugleich trat jene lebhaste Wechselwirkung zwischen Malerei und 
Dichtung ein, welche ein Merkmal der modernen Bildung ist. Schon 
t820 hatte Lamartine mit seinen Meditations p0etiques das Feldzeichen 
zum Ausdruck einer 1naßlosen Gefühlsschwärmerei gegeben; ,,in ihnen fand 
man, sagte Eh. Nodier, statt der gesuchten und gezierten Redeweise Cder 
KlassikerJ, statt der kläglichen Einförmigkeit der griechischen Fabeln Und 
der abgeschmackten Langeweile des Polhtheismus, Gedanken, Gefühle,.Lei: 
denschasten, welche das Herz träumen machen und eine energische Wahr: 
heit, welche die Seele erhebt und ihrem himmlischen 1Irsprunge niihert.9 
Denn noch suchte Latnartine in dem rastlosen Wechsel tobender Empfin: 
dungen, von Jnbel, Verzweiflung und Zerrifsenheit, eine Stütze in der re: 
ligiösen Anlehnung an den Gott des Christenthnnts, noch reichte er so dem 
kirchlichen System der Restanration wenigstens die eine Hand. Aber schon 
lag seinem Glauben die weltliche und individuelle Auffassung des Christen; 
thums zu, Grunde, welche der französischen Romantik eigen ist. Worauf 
es auch ihm vor Allem ankam, das war die Schilderung des ausgelegten 
Seelenlebens im Kampf mit den Verhältnissen und unter dem Einfluß der 
Wechselsälle des Daseins cJocelVnJ; das religiöse Verhalten war ihm nur 
ein Hebel mehr, die Tiefen des Gemiiths anfzuwühlen. Uebrigens ein
        

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