Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der modernen französischen Malerei seit 1789
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3386212
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3386816
Allegotien. 
Die 
DiderokU8 
Urtheil. 
sind ohne Einbildungskrast, ohne Schtonng nnd Begeisternng, sie können 
keine großen nnd mächtigen Ideen fassen.0 Noch schlagender bei Gelegenheit 
Boucherls, obgleich dessen Talent nnd Können, damals selbst von den 
Künstlern bewundert, auch der Kritiker anerkannte: ,,Der Verfall des Gei 
sehntacks, der Farbe, der Komposition, der Charaktere, des Ausdrucks, der 
Zeichnung ist der Sittenverderbniß Schritt auf Schritt gefolgt. Die Grazie 
dieser Maler ist den Ballettänzerinnen entlehnt und selbst ihre nackten 
.Gestalten sind Marionetten mit Schminke, Flitter und SchönheitspflästerchenE. 
Immer wieder kehrt in seinen Berichten die Klage, daß es der Kunst 
an jedem Ausdruck tieferer Empfindung, daß es ihr am Hauch der Seele 
fehle. Begreiflich, daß dann der leicht erregbare Mann, von dieser ent: 
11ervten Phantasie immer mehr abgestoßen, in iiberschwängliche Lobfpriiihe 
ausbricht, das eine Mal über die Landschaften von Vernet, in denen sieh 
eine bewegte Natur mit einer das Gemiith ansprechenden Staffagc erhöhten 
Reiz gibt, das andere Mal über die Sittenbilder von Grenze, in denen 
sich einfach menschliche Empfindungen nnd Schicksale spiegeln. Aber wir 
Haben gesehen, wie diese Meister einerseits gegen die Masse der tonan: 
gehenden Gattung zurücktreten, andererseits doch auch selbst in die here 
kömmliche Anschauung znriiCifallen. Der bildenden Kunst des achtzehnten 
Jahrhunderts ist es überhaupt eigen, daß sie zur Dienerin der Gesellschaft 
nnd höfiseher Sitte geworden, indem sie sich mit dieser ausbreitete, immer 
mehr verslachte und herunter kam. Sie ist darin der gerade Gegensatz der 
damaligen Literatur nnd Dichtung: diese trat umgekehrt ans der ungesuuden 
Treibhanslnft der vornehmen Welt heraus und reiste, ans dem Boden der 
ursprünglichen Menschennatnr frische Kräfte aufnehmend, einem neuen Leben 
S111gege11. Sie war die Morgeuröthe eines neuen Weltzustaudes, jene der 
fahle Kerzenschiin1ner einer im letzten Faschingstaumel sich erschöpfenden 
Gesellschaft. Die Malerei war zur Sache des bloßen Sch1uucks geworden, 
ob Ae nun vom Fächer, vom Altarbild oder der Decke des Palastes den 
geschminkteu Herren nnd Damen eutgegenlächelte. Diderot schiebt einmal 
seinem Knnstberichte eine ganze Satire ein über den uuheilvollen Einfluß 
der 7entarteten Gesittnng aus das ästhetische Leben überhaupt nnd bemerkt 
dabei: ,,Ju einer solchen Zeit gibt es hundert Stasfeleigemälde für eine 
große Komposition, tausend Porträts für ein historisehes Bild, in ihr 
scsießen die mittelmäßigen Künstler wie Pilze auf und überschwemmen die 
Natiott7t. Dem.widerspricht nicht die Masse großer,Deckenbilder; diese 
waren.ja nichts als vergrößerte Dekorationsstiiate, denen tu der Auffassung
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.