Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der modernen französischen Malerei seit 1789
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3386212
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3388641
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Bindi 
Kapitel. 
GcZricault. 
sc;affen scheinen. Doch waren diese Momente der Sammlung in der Min: 
derzahl, immer riß es ihn wieder in den Taumel eines unruhigen 
und vergniigungsvollen Weltlebens. Leicht lief; er sich daher von seinen 
Genossen verleiten, in die königliche Edelgarde mit einzutreten, mit.wel: 
eher 1814 die elegante Pariser Jugend, stolz auf ihre monarchische Gei 
sinnung, das den König nmgebende Ritterthum wieder auszusrischen meinte. 
Gäricault mochte sich zu dem neuen Beruf, der ihm im Grunde wenig 
anstand, mehr durch die Bewegtheit des 1nilitärischen Lebens und dessen 
malerisChe Seite angezogen fühlen; aber doch ist der Zufall bezeichnend, der 
den Urheber der neuen Kunstweise, äußerlich wenigstens, auf die Seite der 
Restauration trieb, während David inis Exil ging und die klasßsche Kunst 
zuletzt durchaus kaiserlich gewesen. Auch begleitete während der hundert 
Tage der neue Musketier, seiner Fahne treu, Ludwig XVIII. in die Ver: 
baunung und gab seine Soldatenlausbahn  dann freilich für immer  
erst dann auf, als sein Corps c18l6J entlassen wurde. 
Bereut hatte er es freilich langes schon, daß er,eingetreten war, und 
um so unablässiger widmete er nun seiner Kunst, ihr ganz wiedergegeben, 
alle seine Kräfte. So weit er auch vorgerückt war und so sehr endlich jene 
beiden Gemälde beim Publikum sowol als bei der jungen Kiinstlergeneration 
durchgeschlagen hatten, so hatte er doch das Bedürfniß einer noch tieferen 
Ausbildung. Er fühlte, das; es nicht. geniige, die Natur allein zu 
stndiren, um ihrer ganz Herr zu werden; das; vielmehr die Kenntniß der 
Art und Weise, wie die Meister der großen Kunstepochen, namentlich also 
die italienischen Maler, die Wirklichkeit angeschaut und in einer.vollendeten 
Formenwelt zum Ausdruck eines vollen und nngebrocheuen Lebens neu ges 
schaffen haben, für den später kommenden Künstler eine uuumgängliche 
Schule sei, sowol um die Natur in ihrem eigentlichen Lebeusnerv fassen 
zu lernen, als um, was ihn selber bewegt, mit leichter und sicher gestalten: 
der Hand an den Tag zu bringen. Gäricault war der Erste von den 
tModernen, der zu dieser Einsicht kam. Er fürchtete nicht, wie das später 
in Frankreich sowol als jetzt noch in Deutschland häufig genug vorkommt, 
jenen Meistern gegenüber seine Eigenthün1lichkeit einzubüßen, noch meinte 
er, um die Natur richtig zu verstehen und lebensvoll wiederzugeben, fiir.sich 
selber Manns genug zu sein und jener nicht zu bedürfen. Ihm war klar 
geworden, daß die italienische Malerei durch eine günstige Entwickelung 
und eine Vereinigung von.Kräften, wie sie in jedem Gebiete des Geistes 
für eine Reihe von Zeiten nur einmal austreten, zu einer mustergiiltigen
        

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